Zum Haupt-Inhalt
Medientipps
Bücher, Bücherstapel, © Though Catalog on Unsplash
Medientipps
Bücher, Bücherstapel, © Though Catalog on Unsplash

Medientipps

Medientipps

Romane, Sachbücher, Klassiker, aktuelle Bestseller und nicht zu vergessen eine große Auswahl an Hörbücher, Filmen und Serien. Bei uns finden Sie bestimmt das Richtige. Außerdem können Sie aus über 100 Zeitungen und Magazinen wählen. Um die Auswahl zu erleichtern, haben wir an dieser Stelle ein paar Tipps zusammengestellt, die monatliche aktualisiert werden.

  • Buchtipps

    Kenneth Moe: Rastlos

    Residenz 2022

    "...dann sieht die Decke auf mich herab, gleichgültig und erduldet das alles mit niederschmetternder Ruhe.“ So klingt es, wenn sich der junge Ich-Erzähler in Kenneth Moes Debüt daran versucht, die Trennung von seiner Freundin zu verarbeiten.

    Tagelang schließt er sich in seinem Zimmer ein – auf dem Bett liegend, im Sessel sitzend, – grübelt und verliert sich in Erinnerungen an die Beziehung, an seine Kindheit. Am Höhepunkt seiner Verlusterfahrung erscheint jedoch ein Licht am Ende des Tunnels: die Literatur. Erst das Niederschreiben des Erlebten setzt ein Erkenntnisprozess in Gang.

    Kenneth Moe hat mit "Rastlos" einen äußerst modernen und zärtlichen Liebesroman geschrieben – ironisch und melancholisch zugleich.

    Link zum Katalog
     

    David Diop: Reise ohne Wiederkehr

    Aufbau 2022

    Nach seinem mehrfach ausgezeichneten Roman "Nachts ist unser Blut schwarz" hat David Diop erneut ein Kapitel der senegalesischen Kolonialgeschichte zum Thema seiner Literatur gemacht. Diesmal beleuchtet er den Sklavenhandel, den die französische Kolonialmacht im 18. Jahrhundert von der Küste Senegals aus betrieb.

    Das Ganze verpackt er in eine wunderbar (knapp am Kitsch vorbeischrammende) tropische Abenteuer- und Liebesgeschichte zweier Menschen, die kulturelle und ideologische Grenzen zu überwinden versuchten. David Diop erweist damit einem Mann Hommage, der den Kolonialismus und den Sklavenhandel vor seiner Zeit infrage stellte.

    Link zum Katalog
     

    Teresa Präauer: Mädchen

    Wallstein 2022

    Teresa Präauer widmet ihr Buch einer Figur, die bisher in ihrem Werk zu kurz gekommen ist, dem Mädchen. Was heißt es eigentlich, ein Mädchen zu sein, wie wachsen sie auf? Und wie steht es grundsätzlich um die glitzernde Mädchenwelt? Haben Mädchen heutzutage wirklich mehr Freiheiten als früher?

    Ausgehend von diesen Fragen zieht Teresa Präauer ihre Linien. So erzählt sie nicht nur aus ihrer eigenen Kindheit, über Mädchenbanden und Bubenspiele, über Zugehörigkeit und Abgrenzung, über die Schwierigkeit und das Glück des Heranwachsens; sondern spannt den Faden ihrer Überlegungen von einer Reflexion des Begriffs über kulturgeschichtliche Betrachtungen bis hin zu Darstellungen des Mädchens in Kunst und Literatur.

    Ein schmales, wenngleich reichhaltiges Büchlein und ein kluger, persönlicher Essay über Geschlechterbilder.

    Link zum Katalog
     

    Wilfried Steiner: Schöne Ungeheuer

    Roman, Otto Müller 2022

    Wilfried Steiners neuer Roman führt uns nach Genf in das Kernforschungszentrum CERN. Dort sind die klügsten Köpfe aus allen Teilen der Welt damit beschäftigt, den Aufbau von Materie zu ergründen. Doch Steiner will uns mit diesem Setting weniger über die Relativitätstheorie oder gar die Rätsel um die Entstehung unserer Welt erzählen; vielmehr wählt er dieses, um seiner Leserschaft die Überheblichkeit des Forschergeistes näherzubringen und gleichzeitig in die Abgründe emotionaler Besessenheit blicken zu lassen.

    Eine äußerst spannende Kriminalgeschichte, die ein hoch entwickeltes und von Konkurrenz geprägtes naturwissenschaftliches Milieu unter die Lupe nimmt.

    Link zum Katalog
     

    Federico Italiano: Sieben Arten von Weiß

    Gedichte, Edition Lyrik Kabinett 2022

    Fein beobachtet und ebenso fein umgesetzt ist die Lyrik von Federico Italiano, einzigartig komponiert und ebenso nachhaltig im Eindruck. "Sieben Arten von Weiß" ist ein wunderbarer und locker zu lesender Gedichtband, glänzend übersetzt von Raoul Schrott und Jan Wagner

    Link zum Katalog
     

    Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer

    Fischer 2022

    Reinhard Kaiser-Mühlecker hat seine Romanreihe rund um Oberösterreich fortgesetzt. In "Wilderer" erzählt der Autor diesmal die Geschichte des Landwirten Jakob. Dieser führt nach der Übernahme des elterlichen Hofes ein karges Leben zwischen monotoner Arbeit, Tinder und Selbstmordgedanken. Erst als sich die Kunststipendiatin Katja anbietet, scheinen sich die Dinge zum Guten zu wenden. Doch Jakob findet keine Ruhe, sein immer wieder aufkommender Jähzorn steht seinem Glück im Wege. Er fragt sich, „ob sein Leben anders verlaufen wäre, wäre er anderswo aufgewachsen. Ob er ein anderer geworden wäre in einer anderen Gegend als seiner.“

    Ein überzeugender Roman über Herkunft und existentieller Verlorenheit in einer Welt, die sich in einem radikalen Wandel befindet.

    Link zum Katalog
     

    Delphine de Vigan: Die Kinder sind Könige

    Dumont 2022

    Delphine de Vigan erzählt einen spannenden Kriminalroman, der den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Missstände im digitalen Zeitalter schärft. Geschickt verbindet die Autorin Recherchen und Polizeiprotokolle mit einer auf verschiedenen Zeitebenen spielenden Kriminalgeschichte mit unverblümter Kritik an den sozialen Medien, an medialer Selbstinszenierung und -vermarktung sowie an Eltern, die ihre Kinder zugunsten der eigenen Karriere instrumentalisieren.

    Link zum Katalog
     

    Judith W. Taschler: Über Carl reden wir morgen

    Zsolnay 2022

    Über Familien und das Familienleben gibt es viele großartige Romane. An diesem hat sich nun auch die in Tirol lebende Judith W. Taschler in ihrem neuen Roman versucht. Eine groß angelegte Familiensaga über drei Generationen in der Mühlviertler Provinz zwischen dem frühen 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert.

    Mit ungemeinem Gespür für ihre Figuren beschreibt Taschler wie Entscheidungen früherer Generationen den Schatten auf die folgenden wirft. Dadurch ergibt sich eine gut durchdachte und akkurat recherchierte Familiengeschichte mit Intrigen, Skandalen und spannenden Wendungen. Großes Kino mit nur kleinen Schwächen.   

    Link zum Katalog
     

    David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

    Mareverlag 2002

    Im Auftrag des Harper´s Magazin hat sich der damals 33-jährige David Foster Wallace (Autor des Kultbuches Unendlicher Spaß) für eine Woche auf das Kreuzfahrtschiff Zenith gewagt, um für dasselbe eine Reportage zu schreiben. Entstanden ist daraus ein hochkomischer wie skurriler Reisebericht über den ganz normalen Wahnsinn an Bord eines modernen Luxusdampfers.

    Ein Buch ans Herz gelegt für alle jene, die selbst daran denken, eine Kreuzfahrt zu unternehmen – man sei gewarnt.

    Link zum Katalog
     

    Christoph W. Bauer: an den hunden erkennst du die zeiten

    Gedichte, Haymon 2022

    Der Tiroler Christoph W. Bauer fühlt sich gleich in mehreren Gattungen zu Hause. Er schreibt Romane, Gedichte, Erzählungen, Drama, Kinderbücher und Hörspiele. Mit an den hunden erkennst du die zeiten liegt nun sein mittlerweile siebenter Gedichtband vor.

    Bauers virtuoser Umgang Bauers mit der Sprache regt einen sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken an.

    Link zum Katalog
     

    Markus Gasser: Die Verschwörung der Krähen

    C. H. Beck 2022

    London um 1700 – eine Stadt droht in grausamen Verbrechen und korrupten Machenschaften unterzugehen. Bis ein aufmüpfiger Journalist gegen die offensichtlichen Missstände aufbegehrt: Daniel de Defoe. Als erster investigativer Journalist deckt er Korruption und politische Intrigen auf, kämpft um Wahrheit und Meinungsfreiheit.

    Markus Gasser entwirft basierend auf historischen Ereignissen einen spannenden und rasanten Abenteuerroman um Verbrechen und Fake News. Der in Bregenz geborene Literaturwissenschaftler und Kritiker erweckt eine vergangene Welt zum Leben, die der unseren auf erschreckende Weise ähnlichsieht: Privilegien und Machtmissbrauch, Seuchen und Sündenböcke, Paranoia und Verschwörungstheorien beherrschen den Alltag.

    Die Verschwörung der Krähen: ein politischer Krimi, ein Zeitporträt, aber auch ein akribisch recherchierter Abenteuerroman, der die Geschichte eines investigativen Journalisten der ersten Stunde erzählt.

    Link zum Katalog
     

    Verena Rossbacher: Mon Chéri und unsere demolierten Seelen

    Kiepenheuer & Witsch 2022

    Charly Benz ist 43 Jahre alt und fühlt sich wie eine Frau, deren Zeit abgelaufen scheint. Auch in Sachen Beziehung läuft es für Charly seit Längerem mehr schlecht als recht; denn sie hat keine. Einzig zu Herrn Schabowski, einem sechzigjährigen Mann, pflegt sie eine väterliche Freundschaft.

    Doch als Herr Schabowski aus heiterem Himmel eine tödliche Diagnose erhält, ihr erster Versuch einer Familienaufstellung in einer Katastrophe endet und gleich drei Männer ihr Leben völlig durcheinanderbringen, verliert Charly völlig die Orientierung. Diese muss sie jedoch bald wieder finden; denn sie ist schwanger.

    In ihrem vierten Roman erzählt die in Bludenz geborene Autorin auf literarisch hinreißende Weise und mit unbändigem Witz die Geschichte einer Frau, die an den herkömmlichen Lebenskonzepten der Gesellschaft zu scheitern droht, bis sie lernt, eigene Wege zu gehen.

    Link zum Katalog
     

    Natasha Brown: Zusammenkunft

    Roman, Suhrkamp 2022

    Sie ist jung, schwarz, selbstsicher und talentiert. Die namenlose Ich-Erzählerin in Natasha Browns Debüt-Roman Zusammenkunft ist aber vor allem eines, hart arbeitend. Die Tochter jamaikanischer Einwanderer hat sich von den prekären sozialen Verhältnissen ihrer Vorfahren emanzipiert und sich in die britische Upperclass hochgearbeitet.

    Wer hinter diesem Plot die Erfolgsgeschichte einer jungen schwarzen Frau vermutet, liegt fehl. Zu sehr ist der Alltag der Ich-Erzählerin geprägt von Entmenschlichung, sexueller Belästigung, offenen Anfeindungen und Rassismus. Hinzu kommt der Druck der eigenen Erwartung. Der Druck, den Anstrengungen ihrer Vorfahren – die so sehr gelitten haben, um ihr die Chance auf ein besseres Leben zu ermöglichen – nicht gerecht zu werden.

    Nicht linear, sondern auf szenische Weise entlarvt Natasha Brown in "Zusammenkunft" das britische Klassensystem sowie den heuchlerischen Umgang mit Ethnie, Immigration und Genderpolitik. Bruchstückhaft mit essayistischen und poetischen Einschüben erzählt Brown von den Anstrengungen unserer Gegenwart und der Last der Vergangenheit. Doch das schmale Büchlein erzählt nicht die ganze Geschichte der Ich-Erzählerin, lässt Leerstellen, schafft Freiräume für eigene Interpretationen, und tut damit genau das, was Literatur soll: zum Denken anregen.

    Link zum Katalog
     

    Abbas Khider: Der Erinnerungsfälscher

    Roman, Hanser 2022

    Said Al-Wahid trägt seinen Reisepass ständig bei sich, selbst im Supermarkt, beim Ausgehen oder bei der Arbeit. Auch als der Schriftsteller, der mit seiner deutschen Frau und dem gemeinsamen Sohn in Berlin lebt, nach einer Lesung erfährt, dass seine Mutter in Bagdad im Sterben liegt. Nach vielen Jahren in Deutschland macht sich Said deshalb auf den Weg nach Bagdad und erinnert sich dabei an die Stationen seiner eigenen Flucht.

    Letztlich erzählt Abbas Khider vom Leben in der Fremde, aber auch von der Geschichte eines Autors; denn Said möchte Schriftsteller werden. Doch das Erinnern fällt ihm schwer, ihm fehlen die Zusammenhänge seiner Vergangenheit. Ganze Zeiträume scheinen für immer verschwunden zu sein.

    Abbas Khider zeigt in "Der Erinnerungsfälscher", wie Krieg, Folter und Verlust einen Menschen nachhaltig prägen und wie absurd und komisch das Leben trotz alledem dennoch sein kann. Trotz des schmerzhaften Untertons, ein ergreifender wie lebensbejahender Roman.

    Link zum Katalog
     

    Kundeyt Şurdum: Hier endet die Fremde

    Werkausgabe, Sonderzahl 2022

    Der im türkischen Konya geborene Schriftsteller Kundeyt Şurdum (1937–2016) gilt als eine der wertvollsten und frühesten Stimmen der deutsch-türkischen Literatur. 1971 von der Türkei nach Österreich, genauer gesagt nach Vorarlberg ausgewandert, hinterließ er mit seiner Lyrik nachhaltige Spuren in der dortigen Literaturlandschaft. Er wurde zur Vorzeigefigur kulturübergreifenden Austausches, zu einem Autor der Migration und Mehrsprachigkeit. In Şurdums Versen durchdringen sich Lebenszeichen mediterraner Kultur mit der deutschen Sprache. Seine Gedichte sind lyrische Inszenierungen des Dazwischen, der Brüchigkeit des Seins zwischen den Kulturen, Gesellschaften und Sprachen.

    Die nun im Wiener Sonderzahl-Verlag erschienene Werkausgabe "Hier endet die Fremde" macht das längst vergriffene Werk des vor rund sechs Jahren verstorbenen Dichters erstmals gesammelt zugänglich und umfasst sämtliche Gedichte, Hörspiele, Reden sowie Prosatexte Kundeyt Şurdums.

    Link zum Katalog
     

    Ronja von Rönne: Ende in Sicht

    dtv 2022

    Hella, 69, hat beschlossen, ihrem Leben endgültig ein Ende zu setzen – in einem Krankenhaus in der Schweiz. Also macht sie sich in ihrem klapprigen Passat auf ihre letzte Reise. Sie scheint ihr „Ende in Sicht“ zu haben. Doch nicht lange auf der Autobahn angekommen, fällt ihr etwas vor die Motorhaube ihres alten Wagens: Es ist die fünfzehnjährige Juli, die sich gerade von einer Autobahnbrücke in den Tod stürzen wollte. Jetzt ist der lebensmüde Teenager nur leicht verletzt und steigt zu Hella ins Auto; eine schicksalhafte Begegnung und der Ausgangspunkt eines gemeinsamen Roadstrips durch Westdeutschland, anhand dessen Von Rönne die Geschichte zweier suizidaler Frauen erzählt.

    Das ungleiche Paar ist sich nicht auf Anhieb sympathisch, fasst jedoch im Laufe der Zeit immer mehr Vertrauen zueinander und lässt bisweilen auch gegenseitige Nähe zu. Sie beginnen dadurch zu verstehen, dass es auch die Möglichkeit gibt, vor dem Tod noch etwas zu leben.

    Diese Entwicklung beschreibt Ronja von Rönne äußerst zart, berührend und gleichzeitig humorvoll lakonisch. Ein launiger Road-Trip-Roman, in dem es um das Scheitern im Leben, um Depressionen und Suizid geht.

    Link zum Katalog

    Jonathan Franzen: Crossroads

    Rowohlt 2021

    Konventionell, aber mit einem ungemeinen Gespür für seine Figuren, porträtiert Franzens eine Familie am Scheideweg, am Crossroad. So treffen wir in Franzen Roman auf eine Familie, deren Mitglieder darum kämpfen, gute Menschen zu sein, was ihnen jedoch allesamt misslingt. Es geht um Sehnsucht und Geschwisterliebe, aber auch um Lügen, Geheimnisse und Rivalität, um Schuld und Sühne.

    Trotz der etwas herkömmlichen und redundanten Erzählweise, die bisweilen wenig Platz lässt für eigene Gedanken, entwickelt der Roman einen ungemeinen Sog und zählt daher zu einem der größten literarischen Ereignisse des vergangenen Herbstes.

    Link zum Katalog


    Michel Houellebecq: Vernichten

    Dumont 2022

    Vernichten titelt das neue Werk des umstrittenen und provokanten Franzosen. Wir befinden uns im Frankreich der nahen Zukunft – im Wahlkampf 2027. Die Welt scheint am Abgrund. Houellebecq hat mit Vernichten erneut einen provokanten und zutiefst europäischen Gesellschaftsroman geschrieben, in dem er den Zynismus des politischen Systems des Westens seziert. Provokant deshalb, weil er die Welt genau so beschreibt, wie er sie sieht; und viele Leser den Gedanken kaum ertragen können, es könnte vielleicht wirklich so sein. Er bringt die Tragödie der menschlichen Existenz immer wieder auf den Punkt, zeigt aber in Vernichten auch, was halt gibt in seiner Welt.

    Link zum Katalog


    Kim Thúy: Großer Bruder, kleine Schwester

    Kunstmann 2021

    Die vietnamesisch-kanadische Autorin Kim Thúy erzählt in ihrem jüngsten Roman »Großer Bruder, kleine Schwester« die Geschichte von Louis und Emma-Jade, die sich in Vietnam als Kinder sowie später als Erwachsene in den USA begegnen. Ausgehend und inspiriert von der sogenannten »Operation Babylift«, bei der 1975 Tausende Kinder US-Amerikanischer Soldaten ohne ihre Eltern ins Ausland geflogen wurden, erzählt Thúy vom Schicksal ebendieser Menschen. So berichtet sie in knappen und atmosphärischen Momentaufnahmen nicht nur von den Erniedrigungen, die Vietnam im 20. Jahrhundert als Spielball westlicher Großmächte erfahren musste, sondern auch von der Suche nach Identität und Zugehörigkeit entwurzelter, aus dem Krieg geborener Kinder.

    Ein aufrüttelnder, aber zugleich umwerfend sinnlicher Roman über ein trauriges Kapitel vietnamesischer Geschichte. Und ein Roman, welcher der Frage nachgeht: »Wohin gehört man, wenn man nicht weiß, woher man kommt?«, wie der Verlag treffend formuliert.

    Link zum Katalog
     

    Paul McCartney: Lyrics. 1956 bis heute. Herausgegeben mit einer Einleitung von Paul Muldoon.

    C. H. Beck 2021

    „Wenn Leute erst einmal ein gewisses Alter erreicht haben, greifen sie gerne auf Tagebücher und Terminkalender zurück, erinnern sich Tag für Tag an vergangene Ereignisse, aber solche Aufzeichnungen habe ich nicht,“ schreibt Paul McCartney im Vorwort zu seinem Buch »Paul McCartney. Lyrics. 1956 bis heute«. Was Paul McCartney hat, das sind seine Songtexte, und im Grunde erfüllen diese denselben Zweck: Sie lassen sein Leben nacherleben. 154 Songs, die einen Zeitraum von 64 Jahren in McCartneys Leben umspannen – von seinen ersten Anfängen als Songwriter in Liverpool über die historischen Jahre als Beatle bis hin zu seiner langen Solokarriere, geben den Blick auf ein ereignisreiches Künstlerleben frei. Eine fast unvergleichbare Bandbreite an Liedtexten bilden ein Panoptikum, in dem McCartney die Entstehungsgeschichten seiner Songs schildert, über Menschen und Orte spricht, die ihn beeinflusst haben; und wie er heute darüber denkt.

    Umrahmt wird all dies von autobiographischen Kommentaren, Manuskripten, Briefen und Fotografien aus dem persönlichen Archiv des Musikers – viele davon bisher unveröffentlicht. Auf diese Weise ist ein bisher nahezu einzigartiges Musiker-Memoire entstanden, das Paul McCartneys Persönlichkeit und Werk auf jeder Seite spürbar macht. Ein Leben in Songs – berührend offen, bezaubernd schön.

    Link zum Katalog


    Klaus Pohl: Sein oder nicht sein

    Galiani 2021

    1999 spielte Klaus Pohl an der Seite von Angela Winkler den Horatio in Peter Zadeks legendären Hamlet-Inszenierung bei den Wiener Festwochen. Die Notizen, die Pohl damals während der Probezeit in Straßburg verfasste, hat er nun zu einem wunderbaren Roman, zu einem fiktionalisierten Tatsachenbericht geformt. Darin berichtet Pohl unterhaltsam und humorvoll über ein „Familienfest“ – wie er schreibt – voller Krisen, Alkoholexzessen und Skurrilitäten. Vor allem aber berichtet er über den kompromisslosen Umgang Peter Zadeks mit seinen Schauspielern, den Fluchten von Angela Winkler vor sich selbst und der Rolle des Hamlet, aber auch von gegenseitiger Hilfestellung in ernsten Momenten.

    Klaus Pohl hat mit seinem Theaterroman eine Hommage an das Theaterspielen und an den früh verschiedenen Schauspieler Ulrich Wildgruber verfasst. »Sein oder nicht sein« ist ein feinfühliger und poetischer Roman, der einen unverfälschten Blick hinter die Kulissen des Theatermachens eines herausragenden Regisseurs und prominenten Ensembles freigibt. Wer das Theater mag, wird dieses Buch lieben.

    Link zum Katalog
     

    Alois Hotschnig: Der Silberfuchs meiner Mutter

    Kiepenheuer & Witsch 2021

    In ruhigem und nüchternem Ton erzählt Alois Hotschnig eine Geschichte über Herkunft und Identität, eine Geschichte über die schrecklichen Auswirkungen nichtaufgearbeiteter Vergangenheit. Und er erzählt auch ein Stück weit die Geschichte Vorarlbergs. Große Kunst und ein Plädoyer für das Erzählen, entgegen dem Schweigen.

    Zum Katalogeintrag
     

    Sally Rooney: Schöne Welt, wo bist du

    Claassen 2021

    Eigenwillig und in ironisch-lakonischer Sprache geht Rooney in ihrem nunmehr dritten Roman der Frage nach, was es heutzutage bedeutet politisch zu sein und wie man anderen Menschen angesichts der medialen Selbstinszenierungskultur noch nah sein kann. Ein tiefsinniger und feinfühliger Roman mit vielen literarischen Bezügen sowie einem kritischen Blick auf den zeitgenössischen Literaturbetrieb.

    Zum Katalogeintrag
     

    Anna Baar: Nil

    Wallstein 2021

    Die Ich-Erzählerin, eine Autorin von Fortsetzungsgeschichten bei einem Frauenmagazin, erhält von ihrem Chefredakteur die Aufgabe, ihre Liebesgeschichte schnellstmöglich zu einem Ende zu bringen, „meinetwegen indem sich das Paar ein Herz nimmt und von einer Klippe springt“. Eifrig versucht sich die Geschichtenerfinderin am Endszenario ihrer Serie. Doch anstatt ein Ende zu entwerfen, zögert sie dieses hinaus, verstrickt sich in eine Aneinanderreihung von Assoziationen, Gedanken und Erinnerung aus der eigenen Kindheit.

    Dabei entwickelt sich eine verschlungene und bisweilen irritierende Erzählung, in der das erzählende Ich allmählich mit den von ihr selbst geschaffenen Romanfiguren verschwimmt. Eine poetische Selbstreflexion, ein literarisches Verwirrspiel, in dem die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit miteinander verschmelzen. Indes scheint das Erfundene alles andere als harmlos; denn was, wenn sich das Geschriebene in der Zukunft bewahrheiten sollte? Was, wenn sich Ausgedachtes in die eigene Biografie einschreibt?

    Zugegeben: Es gibt viele Bücher, die das Spannungsverhältnis von Fiktion und Realität, von Werk und Autor zum Thema haben. In dieser Bestimmtheit, gepaart mit einer leichten, heiteren Sprache sind sie aber eher selten. Nil ist ein forderndes, doch gleichsam erfrischendes literarisches Verwirrspiel, auf das man sich unbedingt einlassen sollte, dreht es sich doch auch um existentielle Fragen: Wer bin ich und wie mache ich mir die Welt erfahrbar? Bei Anna Baar ist es gewiss das Schreiben. 

    Zum Katalogeintrag


    Dörte Hansen: Mittagsstunde

    Penguin 2018

    Ingwer Feddersen, Archäologe und Dozent an der Kieler Universität, kehrt für ein Sabbatjahr zurück in seinen nordfriesischen Heimatort Brinkebüll, um sich dort um seine alternden Großeltern zu kümmern. Während Großmutter Ella immer stärker an ihrer Demenz leidet und Großvater Sönke mit diversen körperlichen Gebrechen zu kämpfen hat, regelt Ingwer die Angelegenheiten im familieneigenen Dorfgasthof. Dieser hat jedoch die besten Zeiten längst hinter sich, so wie auch das ganze Dorf; denn ausgehend von Ingwers „Bummel-Jahr“ – wie Großvater Sönke die Auszeit seines Enkels bezeichnet – wird in Rückblenden geschildert, wie sich die dörflich-agrarische Kultur des fiktiven Brinkebülls von der Nachkriegszeit an zusehends verändert, wie Flurbereinigung, Zuzug sowie die Schaffung von Monokulturen und Großbetrieben die verschworene Dorfgemeinschaft zerstören. 

    Nach ihrem überraschenden und preisgekrönten Debütroman Altes Land (2015) entwirft Dörte Hansen mit Mittagsstunde erneut einen facettenreichen Roman, in dem sie mit fein gearbeiteter poetischer Sprache den Strukturwandel eines Dorfes und seiner Bewohner beschreibt. Ohne Verklärung und Sentimentalität, doch mit sehr viel Witz und Ergriffenheit erzählt sie von Verlust und Neuanfang, vom Untergang bäuerlichen Idylls und der Verdrängung tragischer Momente eines Familienlebens am Land.

    Zum Katalogeintrag

     

    Tove Ditlevsen: Kopenhagen-Trilogie

    Band 1: Kindheit.
    Band 2: Jugend.
    Band 3: Abhängigkeit.
    Aufbau 2021

    Die dänische Autorin Tove Ditlevsen hat diese autobiografischen Bücher 1967 in ihrem Heimatland veröffentlicht. Und wiederum lässt sich eine große Autorin im deutschen Sprachraum nachträglich entdecken.

    Tove wächst in den Zwanziger Jahren im Kogenhagener Arbeiter- und Armenmilieu auf. Ihre Mutter verlässt jede Stelle als Dienstmädchen nach den ersten Tagen, längstens Wochen, ihr Vater landet ebenfalls in der Arbeitslosigkeit. Früh keimt in ihr die Wahrnehmung, dass sie nicht dazugehört. Sie überlässt sich dem Traum, als Gedichte-Schreiberin Erfolg zu haben, und hält durch alle niederschmetternden Erfahrungen als ungelernte Arbeiterin, Haushälterin oder Bürokraft daran fest.

    Eine kraftvolle, literarisch eigenständige und eigenwillige Autorin tritt uns entgegen.Furchtlos berichtet sie von ihrer ärmlichen, kulturfernen Herkunft, ihren ehelichen Irrwegen und schließlich ihrer Drogensucht. Hier ist eine Frau, deren Leben vom Schreiben abhing, und das atmet aus jeder Silbe. Wer sich auf sie einlässt, wird sie als wesentlichen Trittstein auf dem eigenen literarischen Pfad schätzen lernen.

    Zum Katalogeintrag
     

    Mithu Sanyal: Identitti

    Carl Hanser Verlag 2021

    Nivedita ist Bloggerin über Identität und Sex (daher der Titel des Buches). Und studiert Postcolonial Studies bei der indischen Professorin Saraswati in Düsseldorf. Und ist Tochter eines Inders und einer Polin in Deutschland. So viel ist schon mal sicher.

    Da stellt sich heraus, dass die charismatische Saraswati eine gefakte Inderin ist und eigentlich Sarah Vera heißt. Und das ist für ihre nicht-weißen Studentinnen eine Todsünde, hat sie doch gerade erst deren Selbstbewusstsein auf raffinierte Weise aufgepäppelt. Ist die souveräne Wahl der dunkleren Hautfarbe Verrat an den ethnisch Diskriminierten? Oder die neue Spielart der Emanzipation, nachdem schon das angeborene Geschlecht in Selbstbestimmung überging?

    Mithu Sanyal hat einen so witzigen, entkrampften und tabulosen Roman über Identitäten und Identitätsdiskurse geschrieben, dass sich kein vergleichbares Buch finden lässt. Der Jargon der Identitätspolitik rieselt nur so auf den Lesenden nieder und wird zugleich bis ins Kleinste zerpflückt, abgeklopft und zwischen Nivedita und ihrer indisch-britischen Cousine Priti schlagfertig hin und her gepingpongt.

    Niemand muss davor Angst haben, weil der gnadenlose Humor alle Theorieschwere eliminiert. Aber eine gewisse Toleranz seiner eigenen szenespezifischen Unwissenheit gegenüber sollte man haben. Und unschwierige englische Passagen sollten kein Hindernis sein. Dann ist das Lesen das reinste Vergnügen!

    Zum Katalogeintrag
     

    Zelda Fitzgerald: Himbeeren mit Sahne im Ritz. Erzählungen

    Manesse 2016

    Zelda Fitzgerald war die Ehefrau und kongeniale Partnerin des amerikanischen Autors von „The Great Gatsby“ F. Scott Fitzgerald. Das Leben des amerikanischen Skandal-Ehepaars Fitzgerald galt als Verkörperung der Roaring Twenties. Opulente Parties an der Cote d’Azur, Alkohol in Strömen und luxuriöse Exzesse waren ihr Markenzeichen.

    Zelda war eine begabte Schriftstellerin, deren Stil in den Büchern ihres Mannes wiedererkennbar ist. Offenbar waren die Manuskripte unter dem Namen ihres Mannes um ein Vielfaches teurer zu verkaufen. Ihre Erzählungen kreisen um starke, unabhängige Frauen, die Erfolg und Bestätigung suchen, dafür aber auch einen Preis bezahlen.

    Ein gedanklicher Ausflug zu ausufernden sinnlichen Genüssen an der französischen Riviera kann im Sommer überhaupt nicht schaden. Dazu zerfließt Zeldas Sprachkunst einem auf der Zunge wie ein Zitronensorbet.

    Wer Feuer gefangen hat: Zeldas und Scott Fitzgeralds Leben ist allein schon Stoff für wilde Romane, den zu verfolgen einem Schauer über den Rücken jagt. Tipp: Josephine Nicolas: Tage mit Gatsby. DuMont 2021

    Zum Katalogeintrag
     

    Sven Stricker: Sörensen hat Angst

    Rowohlt 2015

    Persönlicher Tipp von Ursula Poznanski: unterschätzter Autor!

    Kriminalinspektor Sörensen lässt sich wegen einer Angststörung von Hamburg nach Nordfriesland versetzen. Gleich am Tag seines Dienstantritts wird er mit einem Mord im Pferdestall konfrontiert. Und das Opfer ist gleich noch der Bürgermeister. Da hilft es nichts: sein Team und er müssen schnell zusammenwachsen. Umso mehr als die Todesfälle weitergehen. Und der Steuerberater plötzlich auswandern will.

    Hier stimmt einfach alles: das nordfriesische Milieu samt Schietwetter, der glaubwürdige Sonderling Sörensen, die Entwicklung des Falles in ungeahnte Dimensionen, das unter dem tot wirkenden Dorf liegende Geheimnis und ganz besonders der immer mitschwingende Witz mit köstlichen Sprachbildern.

    Krimis, die gleichzeitig literarische Ansprüche befriedigen, sind eher selten. Hier könnte ein echter Geheimtipp daraus werden. Zur Weitergabe!

    Übrigens verfilmt und immer wieder im Fernsehen ausgestrahlt mit dem „Tatortreiniger“ Bjarne Mädel als Regisseur und Hauptdarsteller. Sich mit dem Film zufriedenzugeben, wäre allerdings wirklich schade um diesen auch literarischen Leckerbissen!

    Zum Katalogeintrag
     

    Elif Shafak: Schau mich an!

    Kein &Aber 2020

    Was macht es mit uns, wenn wir angeschaut werden? Und wie wir angeschaut werden? Und warum schauen wir so gern selbst? Ist das Thema schon bei uns ein vielversprechendes, hat es im islamischen Kulturbereich noch eine zusätzliche Brisanz, wenn man an Erscheinungen wie den Bösen Blick denkt.

    Elif Shafak, eine türkisch-englische Autorin, stellt ein wunderlich auffälliges Pärchen in den Mittelpunkt ihres Buches: eine unmäßig dicke junge Frau und einen Kleinwüchsigen. Sie bleibt dabei aber keineswegs stehen. Es werden fast eigenständige Geschichten eingefügt, die wie alte Sagen der mystischen Zeit wirken. Oder aus einer anderen Perspektive begreiflich machen, welche Wunden Gesehen-werden schlagen kann. Schönheit und Hässlichkeit, Scham, Ekel und Schaulust werden ausgeleuchtet. Teile eines „Lexikons des Sehens“ sind wie Zuckerstreusel darübergestreut.

    Es fehlt dem Roman etwas an Stringenz und Logik. Das Panorama ist einfach zu breit. Und der zweite Teil des Romans ist deutlich stärker. Dennoch ein Augenöffner, was „Augenblicke“ richten und anrichten können und deshalb allen empfohlen, die Zugang bekommen zu sinnlichen, bildhaft-mystischen Schreibweisen, die weniger den logischen Verstand ansprechen.
     

    Martin Mosebach: Krass

    Rowohlt 2021

    Ralph Krass ist ein steinreicher, machtbewusster Geschäftsmann. Und er schart gerne Leute um sich, die er großzügig zu kulinarischen und kulturellen Genüssen einlädt.

    Zufällig läuft ihm die junge Lidewine über den Weg, eine Abenteurerin, die nur den Moment genießt.

    Sein Sekretär Jüngel unterbreitet ihr einen Vorschlag: sie fügt sich als Begleiterin an seine Seite, enthält sich jeglichen erotischen Seitensprungs und wird dafür – ohne körperlich angerührt zu werden – finanziell ausgehalten.

    Das Buch des 70-jährigen Büchner-Preisträgers Mosebach ist eine Studie oder vielmehr ein Kaleidoskop an Studien. Über Macht und Liebe, über Selbstvertrauen und das Verstreichen der Zeit. Weniger die Handlung steht im Vordergrund als die intensive, elaborierte Auseinandersetzung mit den menschlichen Grundthemen.

    Einnehmend, sprachlich genussvoll und mit unvergesslichen Charakteren oder Szenen, nie aber mitreißend oder vorwärtsziehend. Für nachdenkliche Menschen, die ein feines Organ für die Umwandlung der Wirklichkeit in Sprache haben.

    Zum Katalogeintrag
     

    Yishai Sarid: Siegerin

    Kein & Aber 2021

    Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern – eine schon in Gewohnheit übergegangene Nachricht. Der ehemalige israelische Nachrichtenoffizier Sarid hat hier einen Roman zum Innenleben des israelischen Militärs vorgelegt, der irritiert und irritieren will.

    Abigail ist Militärpsychologin. Ihre Aufgabe und Leidenschaft ist es, Soldaten das Töten zu erleichtern. Zugleich ist sie die hingebungsvolle Mutter ihres Sohnes Schauli. Und dieser wird nun als Fallschirmjäger einberufen.

    Der Roman hat eine große Kraft, ohne eine moralische Position zu vertreten. Wie kommt es, dass junge Männer, kaum den Pubertätspickeln entwachsen, auf gleichaltrige Menschen schießen, nur, weil diese als Feind deklariert sind? Und wie kommen sie damit zurecht?

    Obwohl es einfache Antworten auf das Thema Krieg nicht gibt, ist dieser Roman ein Augenöffner. Er führt das hermetisch abgeschlossene Wertesystem einer kriegführenden Nation vor. Gedanken dazu muss sich jede/r selbst machen.

    Zum Katalogeintrag
     

    Ljuba Arnautović: Junischnee

    Zsolnay 2021

    Die Wiener Brüder Karl und Slavko machen 1934 einen Ausflug ins Grüne mit ihrer Mama. An einem abgelegenen Platz werden die Kinder Helfern übergeben. Abgesehen von einem sommerlichen Intermezzo auf der Krim, sieht nur einer von ihnen seine Mutter wieder – und dies erst nach über 20 Jahren.

    Das Schicksal der zu ihrem Schutz in die Sowjetunion verfrachteten Kinder von österreichischen Kommunisten wird hier auf ergreifende Weise geschildert.

    Lagerhaft, Besserungsanstalt, GULag warten auf Karl. Er kämpft sich durch Hunger, Kälte und Zwangsarbeit. Schließlich schafft er es in den Fünfziger Jahren nach Wien zurück und lädt dort schwere Schuld auf sich.

    Arnautović hat ein packendes Stück Zeitgeschichte und zugleich die Geschichte ihrer eigenen Familie aufgearbeitet. Die klare Sprache, der lakonische Ton und die souveräne Erzählhaltung überzeugen in jeder Hinsicht. Das schmale Bändchen sei allen als Erweiterung des eigenen Horizonts ans Herz gelegt.

    Zum Katalogeintrag


    Matt Haig: Die Mitternachtsbibliothek

    Droemer 2021

    Nora Seed ist nicht gerade glücklich mit ihrem Leben: zu viele verpasste Chancen, zu viele gescheiterte Beziehungen. In dieser Situation wird ihr Job gekündigt und ihre Katze tot aufgefunden. Sie sieht nur noch einen Ausweg: Selbstmord.

    Während sie zwischen Tod und Leben schwebt, findet sie sich plötzlich in einer Bibliothek wieder. Jedes Buch im Regal ist eine Variante ihres Lebens, die sie verpasst, ausgeschlagen oder abgebrochen hat. Und jetzt hat sie freie Wahl.

    Die Idee des Romans entwickelt eine große Faszination, die bis zum Schluss anhält. Leider aber hat der Autor nicht die Fähigkeit, durch Sprache Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Dennoch trägt das Konzept und führt die Lesenden am Schluss zu neuen Einsichten, die das eigene Leben bereichern.

    Zum Katalogeintrag
     

    Elisabeth Lechner: Riot, don’t diet! Aufstand der widerspenstigen Körper.

    Kremayr & Scheriau 2021

    Schönheit ist politisch! Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner analysiert in ihrem Buch den Schönheitsdiskurs und wie marginalisierte Körper in einer lookistischen Welt unterdrückt werden: bewertet wird aufgrund von Aussehen, nicht von Kompetenzen. Sie widmet sich dabei Themen wie Fat-Shaming, Rassismus, Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, Queerness und der Entstehung der Body-Positivity-Bewegung.

    Die Autorin ermöglicht neue Blickweisen auf solche komplexen Diskurse der Gegenwart und liefert fundierte Kritik an der Schönheitsindustrie. Immer wieder wird man als Leser*in stutzig und hinterfragt eigene Denkmuster. Diese Lektüre erweitert die Sicht auf Schönheit und man stimmt nur zu: wir brauchen mehr Systemgrant anstatt Selbsthass!

    Tipp: Elisabeth Lechner hat für die Stadtbibliothek ein Video über Body Positivity und deren Forderungen aufgenommen: Elisabeth Lechner über Body Positivity

    "Riot, don’t diet!" im Online-Katalog


    Martin Schnick: Entweder die Tapete verschwindet oder ich!

    Kuriose und mysteriöse Todesfälle berühmter Dichter – von Albert Camus bis Stefan Zweig.

    Autorinnen und Autoren– insbesondere berühmte – scheinen für unglückliche, gewaltvolle und in jedem Fall verfrühte Todesarten geradezu prädestiniert zu sein. Das Künstlerdasein hat eben auch seine Schattenseiten. Sei es, dass sie sich zu Tode trinken (Joseph Roth), dem Drogenrausch erliegen (Klaus Mann) oder den Selbstmord als Ausweg wählen (Sylvia Plath und Ernest Hemingway)

    Martin Schnick macht uns mit dem Lebensende von 50 Literaten bekannt. Wer die Werke von Goethe und Schiller, Margret Mitchell, Edgar Allen Poe oder Oscar Wilde schätzt, bekommt hier Einblick in ihre oftmals schockierend elenden Todesstunden. Zugleich erfahren wir nebenher viel Interessantes über Alltagsgeschichte, z.B. über den Umgang mit Krankheit in früheren Zeiten. Es wird geraten, die Geschichten wohldosiert zu lesen.

    "Entweder die Tapete verschwindet oder ich!" im Online-Katalog


    Romina Pleschko: Ameisenmonarchie

    Kremayr & Scheriau 2021

    Ein Mietshaus und seine Bewohner ist das literarisch schon häufiger bearbeitete Thema im Romandebüt der österreichischen Autorin. Aber in diesem speziellen, ja geradezu gnadenlosen Ton lässt sich ein frischer unverwechselbarer Stil und ein Sinn fürs Aberwitzige entdecken.

    Da ist der routinierte Gynäkologe Herb Senior, der seinem homosexuellen Sohn die Praxis übergibt. Oder die alleinerziehende Kosmetikerin Karin, die dem Alter noch mal von der Schippe springen will.

    Und dann der Mann namens Klaus, akkurater Pedant zuhause, der sich in den Sozialen Medien unter falschen Namen bösartig austobt – alles keine sympathischen Figuren, aber haarscharf beobachtet und spitzzüngig seziert. Deren Schwächen und Strategien, die Fassade glänzen zu lassen, werden sprachlich messerscharf vor uns ausgebreitet.

    Kein Wunder, dass am Schluss nicht mehr alle das Licht des Tages erblicken. Wir als Leser:innen freuen uns über eine neue Stimme in der Literaturlandschaft.

    Zum Katalogeintrag

     

    Dmitrij Kapitelman: Eine Formalie in Kiew

    Hanser 2021

    Dmitrij war vor 17 Jahren zuletzt in der Ukraine, und da war er 8 Jahre alt. Seitdem ging er in Dresden zur Schule, lernte dabei Sächsisch, studierte und machte seinen Weg.

    Jetzt will er seine deutsche Mentalität mit einem deutschen Pass komplettieren. Und dafür braucht er eine aktuelle Geburtsurkunde samt Beglaubigung, die er nur in Kiew bekommt. Also ist ein Minimum an ukrainischer Gewandtheit nötig, um Deutscher zu werden. Eine Reise in die Vergangenheit mit zahllosen Überraschungen beginnt.

    Kapitelman beschreibt in einem zwischen Humor und Melancholie schwankenden Ton seine Erfahrungen als Wanderer zwischen den Welten. Wie geht das: ukrainische Staatsdiener schmieren? Wie fühlt sich das an: seinen Vater in ein ukrainisches Krankenhaus einliefern? Und wie soll das gehen: sich mit seiner ukraine-nostalgischen Mutter und ihrer Katzenmanie versöhnen?

    Eine Stimme der Menschlichkeit, die in der Erzählung des Dazwischen amtliche Vorstellungen von strammer Anpassung unterläuft. Und eine warm erzählte Familiengeschichte, die anrührt in ihrer Offenheit.

    Zum Katalogeintrag

     

    Julia Phillips: Das Verschwinden der Erde

    Dtv 2021

    Die zwei Schwestern Aljona und Sofija, 11 und 8 Jahre alt, schlagen die Zeit am Strand der sibirischen Halbinsel Kamtschatkas tot. Ihre alleinerziehende Mutter wird sowieso erst spät von der Arbeit heimkehren. Doch die beiden kommen nie zuhause an.

    Ihr Verschwinden zieht weite Kreise der Betroffenheit in der eng miteinander verwobenen Gesellschaft unweit des Polarkreises. Leise und unaufgeregt lernen wir weitere weibliche Schicksale kennen. Warum sind so viele Mütter auf sich allein gestellt? Wie verkraftet eine Gesellschaft die Öffnung, nachdem sie bis 1990 als militärisches Sperrgebiet abgeschnitten war vom Rest der Welt? Wie kommen die Ureinwohner Kamtschatkas mit ihrer Rolle als verachtete Randgruppe zurecht?

    Eine fremde, abgelegene Welt öffnet sich uns. Und auch das Schicksal der beiden Mädchen bekommt am Schluss noch eine Stimme.

    Die amerikanische Autorin hat ein Jahr auf Kamtschatka verbracht. Ihr Konstruktionsprinzip, wie in einem Fächer nur lose miteinander verbundene Frauenschicksale vor uns auszubreiten, hat Stärken und Schwächen. Manche Kapitel haben Blut und Wärme, andere wiederum bleiben seltsam kalt und rätselhaft.

    Für Menschen, die sich gerne auf fremde Welten einlassen und mit gucklochartigen Einblicken zufrieden sind.

    Zum Katalogeintrag


    János Székely: Verlockung

    Diogenes 2016

    In einem ungarischen Bauerndorf zwischen den Weltkriegen fristet der kleine Béla ein elendes Leben als Pflegekind einer habsüchtigen Furie. Er ist ein leidenschaftliches, zutiefst verletztes Kind. Die erlittene Herzenskälte und bittere Armut machen aus ihm einen Außenseiter, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Da entfacht die Aussicht, zu seiner Mutter nach Budapest gehen zu dürfen, ungeahnte Kräfte in ihm.

    Der Autor zieht einen großen Bogen durch eine harte Kindheit und Jugend voller Entbehrungen und spärlicher Triumphe. Wir kosten die unglaublichen Höhen und Tiefen im Leben dieses besonderen Menschen aus. Und wir lassen uns in ein Ungarn der extremen sozialen Gegensätze entführen.

    Dies ist eine literarische Delikatesse, die über Generationen ein Dauerbrenner war und bleiben wird! Sinnliche Lektüre der Extraklasse für Menschen, die gerne ein wenig tiefer eindringen wollen in die Triebkräfte menschlicher Schicksale.

    Zum Katalogeintrag


    Cho Nam-Joo: Kim Jiyoung, geboren 1982

    Kiepenheuer & Witsch 2021

    Die 33-jährige liebende Ehefrau und Mutter Kim leidet offenbar unter einer Persönlichkeitsstörung. Manchmal redet sie, als ob sie eine andere Person wäre. Und dann sagt sie ihren Zuhörer:innen unverblümte Wahrheiten ins Gesicht, die sie als Kim nie gewagt hätte, auszusprechen.

    Was lief schief in Kims Leben, dass sie nur auf diesem Weg aus dem Rollenbild der gefügigen Wachspuppe ausbrechen kann?

    Cho Nam-Joo hat ein klares, einfach aufgebautes, übersichtliches kleines Büchlein geschrieben. Und damit eine Welle der Bewunderung ausgelöst. Denn in schöner Balance zwischen Lebensbericht und Dokumentation wirft sie ein helles Scheinwerferlicht auf Missstände. Nämlich die Herabwürdigungen, denen eine südkoreanische Frau zeitlebens ausgesetzt ist.

    Eines der seltenen Basisbücher, das auf einfache Art Einsichten bietet, denen sich niemand entziehen kann.

    Zum Katalogeintrag
     

    Axel Hacke: Im Bann des Eichelhechts

    Kunstmann 2021

    Sind Sie eine:r von denen, die im Autotouring-Magazin zuerst die Fotos mit verrückten Verkehrsschildern auf der letzten Seite anschauen? Dann sind Sie ein:e Kandidat:in für dieses Buch!

    Axel Hacke versammelt sprachliche Fehlleistungen, Übersetzungsfehler, Liedtext-Verhörer und ähnliches, und macht daraus etwas Magisches: eine Sightseeingtour ins Sprachland. Hier blühen Tiftrienen im Walde (eigentlich tief drinnen) und Autofirmen sind so entspannt, dass sie Ihren Wagen „im gleichgültigen Zustand“ kaufen. Umzugskartons tragen die Aufschrift „Schlaffzimmer“ und „Fischsalat vom Huhn“ kann freiweg auf der Speisekarte bestellt werden.

    Wer eine Ader für höheren Unsinn hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Ich jedenfalls habe das Buch nicht im Zug geöffnet. Die Mitreisenden hätten sich Sorgen um mich gemacht.

    Zum Katalogeintrag
     

    Antti Tuomainen: Klein-Sibirien

    Rowohlt 2020

    Das Örtchen Hurmevaara im äußersten Osten Finnlands hat gerade einmal 1000 Einwohner. Aber ein nicht unbeträchtlicher Teil davon gerät in Verdacht, den wertvollen Meteoriten, der in den Wagen des Ralleyfahrers Tarvainen gefallen ist, stehlen zu wollen. Nur der Pfarrer stellt sich zur Verfügung, den Meteoriten im Militärmuseum zu bewachen. Aber der hat noch ein anderes Problem. Seine Frau eröffnet ihm freudestrahlend, dass sie schwanger ist. Dabei ist er zeugungsunfähig.

    Der finnische Krimipreisträger Tuomainen hat einen Krimi mit schwarzem Humor geschrieben, der aufhorchen lässt. Der Pfarrer erinnert stark an Don Camillo und würde ohne seine Kriegseinsatz-Vergangenheit keinen Stich machen.

    Zugleich hat der Krimi eine ganz eigene lakonische Sprache und beeindruckt durch starke Bilder aus dem finnischen Winter. Spannungsleser:innen mit literarischem Anspruch werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

    Zum Katalogeintrag

     

    Colum McCann: Apeirogon

    Rowohlt 2020

    Das mir zuvor völlig unbekannte Wort bezeichnet eine zweidimensionale Figur mit fast unendlich vielen Seiten. Das erinnert an das Kaleidoskop unserer Kinderzeit, das durch Schütteln von Schmuckplättchen immer wieder neue Muster zaubert.

    Und genau das macht dieses Buch. Es erzählt davon, wie Rami und Bassam, ein israelischer und ein palästinensischer Vater, durch Attentate ihre gerade flügge werdenden Töchter verlieren. Und wie sie sich dazu durchringen, Schulter an Schulter an den Wurzeln des israelisch-palästinensischen Konfliktes zu sägen; am Hass.

    Kleine und Kleinstkapitel bieten auf den ersten Blick harmlose Details, die es in sich haben. Große Literatur!

    Zum Katalogeintrag
     

    Jana Volkmann: Auwald

    Verbrecher Verlag 2020

    Die junge österreichische Autorin hat mit Judith eine sympathische Antiheldin geschaffen. Judith kann es nicht so mit Menschen. Dafür als Tischlerin umso besser mit Holz. Schließlich muss ihr Chef sie bitten, auch einmal eine Erholungszeit zu nehmen. Als Touristin in Bratislava dauert es nicht lange, bis sie buchstäblich die ausgetretenen Pfade verlässt.

    Eine erfrischende, sprachmächtige Expedition durch den Auwald und zu sich selbst!

    Zum Katalogeintrag
     

    Karin Kalisa: Sungs Laden

    C.H.Beck 2015

    Der achtjährige Minh, aufgewachsen am Prenzlauer Berg, Berlin soll ein vietnamesisches Kulturgut in die Schule mitbringen.

    Und weil seine Großmutter eine Marionette in der Schule vorführt, kommt eine Welle ins Rollen. Schließlich laufen Parkwächter mit Kegelhüten auf den Köpfen herum und vielbefahrene Straßen werden von Pop-up-Brücken überwunden.

    Eine heitere und frohe Utopie, die zeigt, was möglich wäre, wenn Menschen auf Menschen zugehen, egal welcher Herkunft. Lieblingsbuch zahlloser Fans! Für Menschen, die an das Gute glauben und darin bestärkt werden wollen.

    Zum Katalogeintrag
     

    John Boyne: Cyril Avery

    Piper 2018

    Cyril ist sieben Jahre alt, als er seinen Freund Julian kennenlernt, ein lebenslustiger Typ, den der homosexuelle Cyril während seiner ganzen Jugend heimlich begehrt. Im Irland der Nachkriegszeit homosexuell zu sein, ist ein schweres Los. Cyrils lügenvolles Leben kulminiert in einem folgenschweren Fehler. Erst dann kann Cyril ein neues Leben beginnen.

    Ein Schmöker, bei dem wir am Ende traurig sind, Cyril, der uns zum Freund wurde, verlassen zu müssen. Ein zu Herzen gehendes Schicksal, erzählt in einer so geschmeidigen Sprache, lässt die über 700 Seiten wie im Flug vergehen.

    Zum Katalogeintrag
     

    Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten.

    hanserblau 2019

    Alice Hasters Buch hat mich zutiefst betroffen gemacht und Reflexionen zu meinem eigenen Verhalten angeregt, zeigt aber auch konkrete Handlungsmöglichkeiten auf und bietet Hoffnung. Große Empfehlung!

    „Selten fühlen sich weiße Menschen so angegriffen, allein und missverstanden, wie dann, wenn man sie oder ihre Handlungen rassistisch nennt. Das Wort »Rassismus« wirkt wie eine Gießkanne voller Scham, ausgekippt über die Benannten. Weil die Scham so groß ist, geht es im Anschluss selten um den Rassismus an sich, sondern darum, dass ich jemandem Rassismus unterstelle.“

    Alice Hasters wählt in ihrem Buch einen sehr persönlichen Zugang zum Themenkomplex Rassismus: sie erzählt aus ihrer Biografie als Schwarze Frau in Deutschland über Rassismus im Alltag. Eindringlich verbindet sie die Anekdoten auf theoretischer Ebene mit historischen Belegen und macht klar: wir alle tragen dazu bei und müssen uns mit unserem Rassismus befassen, auch wenn es unangenehm oder gar schmerzhaft wird.

    Falls lieber gehört werden will: das Hörbuch, von der Autorin selbst gelesen, findet sich auf allen Hörbuchplattformen kostenlos (etwa auf Spotify oder audible).

    Zum Katalogeintrag
     

    Tanja Paar: Die zitternde Welt

    Haymon 2020

    Die Österreicherin Maria schlägt sich 1896 schwanger zu ihrem Freund durch. Der lebt als Bauingenieur der Bagdadbahn in einem Dorf mitten im Osmanischen Reich. Da verdüstert sich der weltpolitische Horizont. Es riecht nach Krieg. Ein Roman, der das Schicksal einer Familie in den großen weltpolitischen Verwerfungen ihrer Zeit verfolgt. Abseits von Klischees und mutig in seiner Schilderung menschlichen Scheiterns.

    Zum Katalogeintrag


    Meena Kandasamy: Schläge. Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau

    Culturbooks 2020

    Die indische Autorin erzählt, reflektiert und beleuchtet ihr viermonatiges Leben als geschlagene, misshandelte und vergewaltigte Ehefrau. Dieses Buch ist ein Molotowcocktail. Es sprengt Grenzen. Grenzen der Selbsterkenntnis und der Scham, Grenzen des Sagbaren, Grenzen des gesellschaftlich Akzeptierten und Grenzen zwischen den Geschlechtern.

    Zum Katalogeintrag


    Benjamin Myers: Offene See

    DuMont 2020

    Der 16-jährige Bergarbeitersohn Robert macht sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zu Fuß auf, um sein Land näher kennenzulernen, wandert durch grüne Wiesen und Flusstäler. Da trifft er auf die alte Dulcie, die zusammen mit ihrem Hund in einem überwucherten Cottage über dem Meer wohnt. Ein Buch der menschlichen Weisheit, des zauberischen Loblieds auf die Natur und die Poesie. Ein Buch für Herz und Seele!

    Zum Katalogeintrag
     

    Chimananda Ngozi Adichie: American

    S. Fischer 2013

    Ifemelu, eine gut ausgebildete Nigerianerin übersiedelt als Princeton-Stipendiatin in die USA. Sie wird unterstützt und liebevoll begleitet aus der Ferne von ihrer großen Liebe Obinze. Der Kulturschock und besonders die unüberwindlich scheinenden Geldprobleme werfen sie aus der Bahn. Am Tiefpunkt ihrer Selbstentfremdung lässt sie den Kontakt mit Obinze abreißen. Aber das Leben in den USA hat gerade erst begonnen. Besonders ihr Blog, in dem sie messerscharf analysiert, wie Schwarze in den USA behandelt werden, eröffnet ihr neue Wege. Als sie in den USA voll angekommen ist, trifft sie eine Entscheidung, die niemand in ihrem Umfeld verstehen kann.

    Adichie ist eine großartige Beobachterin und Erzählerin. Auf 600 Seiten nimmt sie uns an die Seite von Ifemelu, die erst in den USA bemerkt, dass sie ein Hautfarbenproblem hat. Nebenbei lernen wir viel über unsere eigenen Vorurteile und über die Stellung von Schwarzen in Amerika. Am fesselndsten ist aber die menschliche Entfaltung Ifemelus, die sich selbst emanzipiert und lernt, auf ihre innere Stimme zu hören. Die Stimme einer schwarzen Autorin, der zuzuhören sich lohnt. Und zwar auf jeder der 600 Seiten.

    Zum Katalogeintrag


    Heinrich Steinfest: Der Chauffeur

    Piper 2020

    Der Chauffeur Paul Klee macht einen Fehler, den er sich selbst nicht verzeihen kann. Er rettet bei einem Autounfall nicht zuerst das 10-jährige Kind, sondern seinen eigenen Chef, einen skrupellosen Machtmenschen. Indem er daraufhin mit seiner neuen Liebe ein „Hotel zur kleinen Nacht“ eröffnet, beginnt er ein neues Leben, und das ist nicht das letzte Mal, dass er neu anfangen muss…

    Heinrich Steinfest schreibt einen gelassenen, nachdenklichen und immer auch humorvollen Stil. Er ist zugleich ein bodenständiger Realist, ein tiefgründiger Philosoph und ein verrückter Fantast. Von all dem bedient er sich souverän und doch ist der Roman aus einem Guss. Jeder Satz schmeichelt der Intelligenz und der Sprachliebe des Lesenden. Das nächste Buch von Steinfest nehme ich mir in die Quarantäne mit (wenn sie denn kommen sollte) – ein möglichst dickes.

    Zum Katalogeintrag


    Maria Lazar: Leben verboten!

    Das vergessene buch 2020

    Das Buch einer Wiener Autorin, die ins Exil gehen musste, spricht zu uns aus dem Jahr 1932, ist aber 2020 zum ersten Mal in voller Länge erschienen. Und das ist ein Verdienst, denn sein expressionistischer Stil und die herausragende Zeitanalyse der Autorin suchen ihresgleichen. Ich wurde an „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin erinnert.

    Die Autorin schreibt kraftvoll und bildhaft. Lange Passagen bestehen aus wörtlicher Rede, die sie meisterhaft einsetzt. Ein ungewöhnlicher, erfrischender Stil ganz nah an den Menschen, die damals die Straßen bevölkerten: Hausangestellte, verarmte Adlige, Arbeitslose und nationalsozialistische Fanatiker.

    Herr von Ufermann, gutsituierter Firmenchef, hat Alpträume. Und die sollen sich als Vorzeichen herausstellen, denn seine Brieftasche mit den Flugtickets wird gestohlen, er verpasst seinen Flug und damit seinen eigenen Tod, denn das Flugzeug stürzt ab und alle Insassen verkohlen zur Unkenntlichkeit. Statt seines Lebens froh heimzukehren, gerät er in eine Identitätskrise. Denn seine Firma und wohl auch seine Ehe kann nur mit den Versicherungsmillionen gerettet werden, die mit seinem Tod fällig werden. Er lässt sich treiben und gerät an kriminelle Politaktivisten, die ihn gut gebrauchen können.

    Zum Katalogeintrag


    János Székely: Verlockung

    Detebe 2016

    Hier ist der Langzeit-Favorit zahlloser Menschen. Der Bauernjunge Béla arbeitet zwischen den beiden Weltkriegen als Liftboy in einem Budapester Grandhotel. Bittere Armut und überbordender Reichtum des Geldadels treffen aufeinander. Sinnliche, anregende Lektüre, die fast 1000-seitig zum Abtauchen taugt.

    Zum Katalogeintrag


    Christine Wunnicke: Die Dame mit der bemalten Hand

    Berenberg 2020

    Wir schreiben das Jahr 1764. Musa al Lahuri, Astronom am Hof des Herrschers von Jaipur, und Carsten Niebuhr, dänisch-deutscher Forschungsreisender im Orient, treffen wider alle Wahrscheinlichkeit aufeinander. Poetisch-leichtfüßige Kostbarkeit mit hintergründigem Humor und viel Lust am Spiel mit der Sprache. Ein kleines Wunder!

    Zum Katalogeintrag


    Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt

    Klett-Cotta 2020

    Wir haben durch Corona auch einiges gelernt: zum Beispiel innezuhalten. Hier ist das Buch dazu. Iris Wolff erzählt eine Familiengeschichte aus dem Banat in vier Generationen und schafft es zugleich, die Zeit stehenzulassen. Nichts hastet nach vorne, nichts will überlesen sein. Jedes Wort lässt Gegenwart spüren: sinnliche Eindrücke, Wahrnehmungen, Gefühle. Außergewöhnlich!

    Zum Katalogeintrag


    Ferdinand von Schirach: GOTT. Ein Theaterstück

    Luchterhand 2020

    Ist es moralisch gesehen vertretbar, sein Leben selbst zu beenden, auch wenn man körperlich und geistig gesund ist? Und darf man dabei aus ethischer Sicht ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?

    Dieser Frage widmet sich die deutsche Ethikkommission bei einer Anhörung zum Fall Richard Gärtner. Dem 78-Jährigen bedeutet sein Leben nach dem Tod seiner Frau nichts mehr. Expertenmeinungen aus der Ärzteschaft, der katholischen Kirche und des Rechts werden eingeholt. Der Anwalt von Gärtner spielt den Advocatus Diaboli. Er zerpflückt die vorgetragenen Einwände und versucht so, dem Anliegen Gärtners eine Tür zu öffnen. Die Entscheidung wird – wie schon bei dem Stück „Terror“ von Schirach – dem Publikum überlassen.

    Schirach gelingt ein Doppeltes: Er führt vor, wie in Zeiten medialer Schlammschlachten eine emotional aufgeladene Frage von allen Seiten beleuchtet wird - besonnen und unter Achtung der Kontrahenten. Und er spielt den Ball zurück an die Lesenden, die sich in den vorgetragenen Positionen wiederfinden können. Ein Buch, das Diskussionen im Freundeskreis auslösen soll und wird. Ein Buch, das die existenzielle Frage stellt: Wem gehört unser Leben? Jede/r wird sie auf seine persönliche Art beantworten wollen.

    Zum Katalogeintrag
     

    Sandra Weihs: Delilah

    Czernin 2020

    Penelope ist eine Schülerin, die es aufgegeben hat, nach Freundinnen zu suchen. Da tritt die neue Mitschülerin Delilah in ihr Leben, ein Vogel, dem von klein auf „das Lied der Freiheit geträllert wurde“. Und mit Delilah kommen Mut, Freundschaften, eine Clique und schließlich die erste Liebe.

    Aber als Delilah eines Nachts wegen ihrer Unfähigkeit Nein zu sagen, vergewaltigt wird, geht ein Riss durch das Fundament der verschworenen Gemeinschaft. Penelope muss Farbe bekennen. Überlässt sie weiterhin Delilah die Führung für ihr Leben? Und wenn sie selbst das Ruder übernimmt, wählt sie das sichere Nest oder den freien Flug?

    Ein sehr poetischer, zu Herzen gehender Roman einer jungen österreichischen Autorin mit einer ganz eigenen Sprachmelodie. Wer einmal SchülerIn war und sich an das Gefühl der offenen Zukunft als junger Mensch erinnern kann, taucht tief in diese sensible Gefühlswelt mit ein. Ein musikalisches Buch mit großer poetischer Strahlkraft.

    Zum Katalogeintrag
     

    Isabelle Autissier: Herz auf Eis

    Mare 2017

    Ein junges Paar kündigt sein vorhersehbares Leben auf und bricht zu einer Weltumsegelung auf. Ludovic, der erfolgsverwöhnte Sonnyboy, und Louise, die zierliche Bergsteigerin, geraten auf einer Insel in der antarktischen See in einen Sturm. Am nächsten Morgen ist ihr Schiff wie vom Erdboden verschluckt. Ab da beginnt ein Psychokrimi. Im Kampf ums Überleben wird ihre Liebe auf die Probe gestellt, aber nicht nur das. Die existenzielle Not bringt Seiten in ihnen zum Vorschein, die sie nie in sich vermutet hätten. Bis eine Entscheidung ansteht, die ihrer beider Schicksal auseinanderreißt.

    Die Autorin ist im wahren Leben die erste Frau, die alleine die Welt umsegelt hat. Das erklärt die hohe Glaubwürdigkeit der Handlung. Die verzweifelten Rettungsversuche und Stimmungswechsel des Paares lassen uns hoffen und bangen. Dazu kommt die hohe Bildkraft der Sprache. Eine Reise nicht nur zu den Schönheiten der Erde, sondern auch zu den Triebkräften der menschlichen Natur.

    Für alle, aber besonders für Menschen, die psychologische Spannung schätzen.

    Zum Katalogeintrag


    Ilija Trojanow: Doppelte Spur

    S. Fischer 2020

    „Alles in diesem Roman ist wahr oder wahrscheinlich.“ Dieser Satz steht dem Buch voran. Auch wenn das Entsetzen über haarsträubende Machenschaften mich Zeile für Zeile nicht mehr loslässt – ja, das glaube ich.

    Ilija bekommt sowohl von amerikanischer als auch russischer Seite geleakte Dokumente zugeschickt. Bei der Aufarbeitung wird klar, wie skrupellos Politfunktionäre beider Seiten mit Wahrheit, Geld und Macht umgehen. Wegen emotionaler Überforderung bekommt Ilija Verstärkung durch einen Journalisten-Kompagnon. Auch Emi gesellt sich dazu, die den Fall Sexueller Massenmissbrauch durch „Geoffrey Wasserstein“ aufarbeitet. Zwischen Ilija und Emi keimt ein Funke von Gefühl auf.

    Ein Höllenritt durch die Umtriebe eines Konglomerats aus Mafia, Multimillionären und Politmanagern, die sich in ihrer Abgefeimtheit nicht voneinander unterscheiden. Trump und Putin bis zur Kenntlichkeit entstellt. Die Wärme der Liebesgeschichte als rettender Anker in einem Ozean der Kälte.

    Obwohl harte Kost möchte ich kein Wort davon missen. Besser die Tiefe des Abgrunds kennen, als ahnungslos darüber hinwegzuspazieren.

    Zum Katalogeintrag
     

    Lisa Eckhart: Omama

    Zsolnay 2020

    Lisa Eckhart, die Grenzgängerin und Stein des Anstoßes im österreichischen Kabarett hat ihr erstes Buch geschrieben. Es soll von der Biografie ihrer Oma handeln, eigentlich ist es aber eine österreichische Provinzsatire von der Besatzungszeit bis in die 80er Jahre.

    Wenn im gesellschaftlichen Diskurs die Grenze des Anstoßes bewusst vermieden wird, fühlt sich Lisa Eckhart genau dort und noch weit dahinter in ihrem Element. Wenn das Verschweigen beginnt, setzt sie ihre rhetorischen Scheinwerfer ein. Derbe Dialektwörter, findige Sprachassoziationen und Zuspitzung bis hin zur Farce sind ihre Mittel.

    In Ihrer kabarettistischen Kunst macht sie Tabus sichtbar und leuchtet dunkle Winkel des gesellschaftlichen Bewusstseins aus. In einem Roman ermüdet aber der geballte Sprachwitz. Die Handlung verliert den roten Faden. Bösartige Beleidigungen, Obszönitäten und Unverschämtheiten aneinandergereiht verlieren die Wirkung. Eine Kürzung auf die Hälfte hätte dem Buch vielleicht gut getan.

    Zum Katalogeintrag
     

    Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie

    Diogenes 2017

    1886 landet der junge russische Jude Boris Sidis mittellos in New York. 5 Jahre später beginnt er ein Psychologiestudium in Harvard, absolviert danach ein zusätzliches Medizindoktorat und treibt die Forschungen zu psychischen Krankheiten voran. Rastlos und bildungsvernarrt wie er ist, entwickelt er eine völlig neue Erziehungsmethode für seinen Sohn William.

    Billy lernt mit 18 Monaten lesen und beginnt mit 11 Jahren, nach 3 Jahren Wartezeit ein Harvard-Studium. Er spricht 25 Sprachen. Da wendet sich das Blatt. Als Erwachsener zieht sich Billy immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und nimmt Routinejobs im Büro an. Er lehnt die ungleiche Verteilung von Reichtum und Chancen ab und engagiert sich im Kommunismus.

    Dass er nie gelernt hat, menschliche Wärme und Empathie zu empfinden, lässt ihn schließlich scheitern. Das spannende, episch ausgebreitete Schicksal eines Menschen, der das Heil der Menschheit allein in der Rationalität sucht. Zum Reinknien an regnerischen Sonntagen.

    Zum Katalogeintrag
     

    Kathrin Passig / Aleks Scholz: Handbuch für Zeitreisende

    Rowohlt 2020

    Herzlich willkommen im Pleistozän! Abenteuerurlaub in der ehemaligen DDR! Lassen Sie die Seele baumeln beim Urknall! Alles, was Zeitreisende wissen müssen, versammelt in einem inspirierenden Reiseführer. Wer sagt denn, dass in Zeiten von Corona keine Abenteuer mehr möglich sind?

    Nachdem wir alles über die physikalischen Voraussetzungen für Zeitreisen erfahren haben, wenden wir uns den attraktiven Reisezielen zu. Wir erhalten Rat darüber, wie wir am besten in den Lauf der Geschichte eingreifen. Und wie wir mit Seuchen im Mittelalter und Toiletten im alten Rom umgehen.

    Ganz nebenbei fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Die Entdeckung des Penicillins 1928 war epochemachend. Und Island ragt im frühen Mittelalter als sehr empfehlenswertes Land heraus. Die genaue Datierung des Ankunftstermins ist komplizierter als man denkt, solange jedes kleine Land eine eigene Zeitrechnung pflegt. Und was es da noch an faszinierenden Details zu beachten gilt, bevor wir uns in das Wurmloch stürzen.

    Geschichte für Weltenbummler, Reisen für Kopf-Globetrotter, Führung für Fantasten!

    Zum Katalogeintrag
     

    Samanta Schweblin: Hundert Augen

    Suhrkamp 2020

    Kentukis sind käufliche fahrbare Plüschfiguren, niedlich, aber auch irgendwie schäbig. In den schwarzen Knopfaugen der Kentukis verstecken sich Kameras. Sie übertragen jede Bewegung der Kentuki-Halter auf einen Computerbildschirm. Und irgendwo auf der Welt starrt ein Mensch, der sich den Zugang gekauft hat, darauf.

    Diese Konstellation hat es in sich. Der Siegeszug der Kentukis ist nicht aufzuhalten. Da gibt es immer mehr Menschen, die einen Beobachter in ihr Leben einladen. Oder bis in die intimsten Regungen am Leben eines Andern mitnaschen wollen. Zum Beispiel das Kaninchen Emilia, eine einsame Rentnerin in Lima. Sie versucht, ihre „Betreuerin“ Eva zu warnen, da sie beobachtet, wie ihr Freund sie beklaut. Oder Katia und Amy. Mithilfe von peinlichen Videoaufnahmen ihrer Mitschülerin Susan wollen sie diese kompromittieren. Erpressung inclusive.

    Wir verfolgen gebannt die Untiefen, in die Menschen geraten, wenn sie glauben, anonym bleiben zu können. Aber mit der Anonymität ist das so eine Sache… Nach Art eines Psychothrillers entwickeln sich die Beziehungen in eine Richtung, die nicht vorhersehbar war. Ein grauenerregendes und faszinierendes Experiment mit der menschlichen Psyche. Und das ist kein Zukunftsroman!

    Zum Katalogeintrag
     

    Helena Adler: Die Infantin trägt den Scheitel links.

    Jung und Jung 2020

    Eine Kindheit auf dem Bauernhof. Zugleich eine Parforcejagd durch die Hölle. Jedes Wort ein Treffer. Die Urgroßeltern sind schon zu alt zum Sterben. Die Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits sind verfeindet wie die Montagues und Capulets. Die Eltern verdreschen sich gegenseitig. Die älteren Zwillingsschwestern piesacken die Jüngste mit sardonischer Freude. Und mittendrin das keineswegs unschuldige Ich, das wie aus Notwehr das elterliche Heim abfackelt.

    Adler beherrscht die Sprache, wie ich es bisher noch nicht lesen konnte. Weltliterarische Anspielungen und Ausflüge in die ordinärsten Schmutzkübel wechseln sich ab. Dialektbeschimpfungen erhöhen die Fallhöhe der Bibelzitate. Berühmte Gemälde werden herbeizitiert und sprachliche Bilder beschworen, die wie der Blitz einschlagen.

    Das Buch ist auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und für den Österreichischen Buchpreis nominiert. Die bäuerische Originalität ihrer Sprache ist so erfrischend, dass ich ihr jeden Preis gönne. Ihre Beobachtungsgabe ist fast schon mörderisch. Ein ganz besonderes Ausnahmetalent, das die Gehirnzellen gehörig aufwirbelt.

    Zum Katalogeintrag
     

    Robert Seethaler: Der letzte Satz

    Hanser 2020

    Gustav Mahler sitzt an Deck des Schiffes „America“ mit Ziel Europa, in eine warme Wolldecke gewickelt. Er weiß, dass er sterben wird. Ein Strom von Gedanken und Erinnerungen zieht an ihm vorbei. Seine musikalischen Erfolge in Wien und New York, das Scheitern seiner Ehe mit Alma, der traumatische Tod seiner Lieblingstochter Maria. Ein 15-jähriger Schiffsjunge wartet ihm auf. Er lässt sich nicht abschrecken vom ruppigen Ton Mahlers und kommt mit ihm ins Gespräch.

    Seethaler möchte sein Buch nicht als biographische Annäherung an die historische Person Mahlers verstehen, sondern als eigenständiges künstlerisches Werk. Eine leise Melancholie durchzieht die Sätze. Der glasklare Stil Seethalers, der sich Zeit nimmt und Pausen lässt für das Nachdenken, streichelt die Seele. Dennoch muss ich mich manchen Kritikern anschließen: der Charakter Mahlers bleibt zu schemenhaft. Und viele Gedanken Mahlers bleiben im Belanglosen stecken.

    Ein hochgepriesenes Werk, das bei mir nicht angekommen ist. Bitte selbst nachprüfen und gerne mit mir in Austausch gehen!

    Zum Katalogeintrag
     

    Amir Hassan Cheheltan: Der Zirkel der Literaturliebhaber

    C.H. Beck 2020

    Dies ist kein Roman, eher ein leidenschaftliches Zeugnis für die Liebe zur Literatur. Cheheltan nahm schon als Jugendlicher am Literaturzirkel seines Vaters teil. Mitten in Teheran versammelte dieser 32 Jahre lang 8 Literaturbegeisterte zum wöchentlichen Diskussionsabend.

    Das Buch erhält seine Spannung durch einen extremen Kontrast. Die Unterdrückungsmaßnahmen des Regimes – sei es unter dem Schah oder unter den islamischen Religionsführern - stehen Cheheltans schwärmerischer Hingabe an die klassische persische Literatur gegenüber. Hier findet er – auch sexuelle - Freizügigkeit und Realismus statt Ideologie und Heuchelei. Doch auf die Dauer bricht sogar in diese heile Parallelwelt die Brutalität ein.

    Ein erstaunlicher Einblick darin, wie die Literatur eines jahrtausendealten Kulturvolkes in homoerotischen Fantasien schwelgt. Wir nehmen betroffen an der überlebensnotwendigen Abwehrstrategie eines Literaten unter schwierigsten Bedingungen teil.

    Ein zugleich irritierendes und mitreißendes Buch.

    Zum Katalogeintrag
     

    Marco Balzano: Ich bleibe hier

    Diogenes 2020

    Wer den aus dem Reschensee herausragenden Kirchturm kennt, möchte gerne die Geschichte dahinter kennenlernen. Marco Balzano hat eine ergreifende Handlung mit historischer Faktentreue verbunden.

    Trina ist eine junge Deutschlehrerin aus Graun/Südtirol, eher menschenscheu und „eigensinnig“. In den dreißiger Jahren ballen sich dunkle Wolken am politischen Himmel zusammen. Die aufkommenden Faschisten unter Mussolini setzen alles daran, Südtirol das Deutsche auszutreiben. Die „große Option“ Hitlers stellt die Südtiroler vor die Wahl: entweder Verlust der Heimat durch Auswanderung oder Verlust der Sprache durch Italianisierung. Der Nationalsozialismus fasziniert immer mehr junge Männer.

    Trinas Leben, aufgerieben zwischen landwirtschaftlicher Arbeit, Kinderfürsorge und politischer Unterdrückung, ist kein leichtes. Wie ein Damoklesschwert hängt der Bau des größten Staudamms Europas über dem Dorf. Dennoch finden ihr Mann Erich und sie einen Weg zusammenzuhalten und den immer schlimmer werdenden Zumutungen zu trotzen.

    Ein tief beeindruckendes Lebenspanorama inmitten der für Südtirol schlimmsten Jahrzehnte. Literarisch feinfühlig und charakterstark erzählt. Für alle!

    Zum Katalogeintrag


    Hubert Achleitner: flüchtig

    Zsolnay 2020

    Hubert von Goisern hat seinen ersten Roman geschrieben und mit Hilfe von Wolfgang Köhlmeier sofort den richtigen Verlag gefunden. Seine musikalischen Fähigkeiten kommen auch in diesem Buch, das vollständig ohne Bösewichte auskommt, zum Tragen. Ein Gefühl für Sprachmelodien und überaus treffende und kreative Vergleiche machen das Lesen zum Genuss. Sanft und menschenfreundlich wird das seit 30 Jahren verheiratete Paar Maria und Herwig durch Aufbrüche und Abenteuer, Seiten- und Abwege, Glücksmomente und Leidensstrecken geführt. Ab und an spürt man den Autor durch seine Figuren durchschimmern.

    Ein emotionales Buch, das mit Marias Weg zum Heiligen Berg Athos in Griechenland eine Reise ins Spirituelle verknüpft. Aufgrund der sprachlichen Kreativität und der trotz aller beschriebenen Krisen positiven Grundstimmung ein Lesevergnügen!

    Zum Katalogeintrag


    Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

    Kein & Aber 2016

    Ein Buch, das auf 14 Auflagen zurückschauen kann, und aktueller nicht sein könnte. Ein israelischer Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Der Eritreer liegt im Sterben. Wenn er den Unfall meldet, wird sein eigenes Leben auf den Kopf gestellt, dem Mann aber trotzdem nicht geholfen. Also fährt er weiter.

    Dumm nur, dass die Frau des Toten am nächsten Tag Bedingungen stellt für ihr Schweigen. Bedingungen, die sein altes Leben aus den Angeln heben. Ungewollt vermischt sich sein Schicksal mit den sonst unsichtbaren Schatten der illegalen Existenzen.

    Ein begeisterndes Buch, weil die Autorin vor nichts Angst hat. Keine Angst vor den Untiefen der menschlichen Feigheit, keine Scheu vor archaischen körperlichen Regungen, keine Illusionen über die Kluft zwischen Mensch und Mensch. Unweigerlich fragen wir uns selbst, wie wir handeln würden von Wendung zu Wendung – und davon gibt es viele! Ein Buch zur Selbsterkundung an der Hand einer unerschrockenen Autorin – grandios!

    Zum Katalogeintrag


    Xaver Bayer: Geschichten mit Marianne

    Jung und Jung 2020

    Eine Sammlung von 20 Geschichten, die es in sich haben!Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab. Der Ich-Erzähler verwickelt sich bei harmlosen Spielchen oder geplanten kleinen Abenteuern in haarsträubende Horrortrips. Gleichmütig stellt er sich den irrwitzigen Herausforderungen seiner kafkaesken Erlebnisse. Einzige Gefährtin oder auch Initiatorin oder Begleiterin ist Marianne. Sie stellt hinter den Kulissen die Weichen oder stiftet zum Aufbruch an, immer aber ist sie gesichtslos und ziemlich dominant.

    Vorsicht: Das Abirren in alptraumhafte Szenen hat mich geradezu süchtig gemacht. Beim „Zirkus des Grauens“ z.B. kämpfte mein Sinn fürs Makabre mit der Lust am Gelächter (das mir zugleich im Halse stecken blieb). Für LiebhaberInnen skurriler Erfahrungen und zwiespältiger Gefühlszustände.

    Zum Katalogeintrag

  • Hörbuchtipps

    Clare Clark: Im gleißenden Licht der Sonne

    Historisches

    Berlin, 1923: Kunstkritiker Julius ist auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, als der Galerist Matthias ihn mit Van-Gogh-Bildern für sich einnimmt. Die junge Emmeline sucht seine Nähe, um ihr Kunststudium durchzukriegen. Der Kunstmarkt brodelt, Fälschungen frappieren und die wilde Zeit reißt alle mit.

    Zum Katalogeintrag
     

    Stacey Halls: Die Verlorenen

    Historisches

    Im London des 18. Jahrhunderts klafft die Schere zwischen arm und reich weit auseinander. Krabbenhändlerin Bess bekommt ein Kind, ohne Aussicht, es ernähren zu können, der Vater fehlt. Sie bringt ihre Tochter nach der Geburt ins Foundling Hospital, um sie später wieder auszulösen. Aber Clara wurde angeblich einen Tag nach der Abgabe schon abgeholt, und zwar von ihr selbst. Bess sucht nach der falschen Mutter.

    Zum Katalogeintrag
     

    Nora Roberts: Nach dem Sturm

    Spannung / Thriller

    Caitlyn Sullivan entstammt einer Familie von berühmten Schauspielern. Auch sie ist als Kind bereits ein Star. Doch dann wird Sie beim Spielen im Garten entführt. Mit viel Mut entkommt sie ihren Peinigern und sucht sich Hilfe bei Dillon Cooper und seiner Familie. Aber noch Jahre später ist Cate erschüttert von den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit und muss erkennen: Diese längst vergessene Nacht war nur der Beginn einer großen Liebe und der einer schrecklichen Rache.

    Zum Katalogeintrag
     

    Jojo Moyes: Die Frauen von Kilcarrion

    Bewährte Unterhaltung

    Der Debütroman von Jojo Moyes von 2002. Hongkong, 1953 - Anlässlich einer Party zur Krönungszeremonie von Prinzessin Elizabeth, lernt die 21-jährige Joy ihren Mann Edward kennen. Fast 40 Jahre später leben sie auf dem Familienlandgut in Kilcarrion, Irland. Zu ihrer Tochter Kate haben sie keinen Kontakt, dennoch schickt die Alleinerziehende ihre 16-jährige Tochter Sabine für einige Zeit zu ihren Großeltern.

    Zum Katalogeintrag


    Rachel Joyce: Miss Bensons Reise

    Gelangweilt von ihrem stupiden Job, beschließt Margery Benson eine Expedition ans andere Ende der Welt zu unternehmen, um nach einem seltenen Käfer zu suchen. Dafür braucht sie noch eine Begleitung und Enid Pretty ist eigentlich gar nicht das, was sie sich vorgestellt hatte...

    Zum Katalogeintrag
     

    Joel Dicker: Das Geheimnis von Zimmer 622

    Als der Schriftsteller Joël Dicker seinen Urlaub in dem Schweizer Alpenhotel "Palace" verbringt, erfährt er, dass sich hier vor einigen Jahren ein Mord ereignet hat, der nie aufgeklärt wurde. Zusammen mit seiner neuen Bekanntschaft Scarlett Leonas macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit.

    Zum Katalogeintrag

  • Filmtipps

    Spider Man – No way home

    Action | DVD

    Tom Holland kehrt als Peter Parker ins Marvel Cinematic Universe zurück. Mithilfe eines Zaubers von Doctor Strange soll die Welt seine wahre Identität vergessen. Aber dann gehen die Probleme erst richtig los.

    Regie: Jon Watts, USA 2021, 142 Minuten

    Trailer

    Link zum Katalog


    The King's Man - The Beginning

    Action/Komödie | DVD

    Entdecken Sie den Ursprung des ersten unabhängigen Geheimdienstes. Einige der schlimmsten Tyrannen und Verbrechergenies der Welt, darunter Rasputin, haben sich versammelt, um einen Krieg zu planen, der Millionen unschuldiger Menschen auf der ganzen Welt vernichten wird. Hier kommt Kingsman ins Spiel, der erste unabhängige Geheimdienst der Welt.

    Regie: Matthew Vaughn, UK/USA 2021, 125 Minuten

    Traile

    Link zum Katalog
     

    My Week with Marilyn

    Biografie, Drama | filmfriend | #kinozuhause

    Im Sommer 1956 erhält der junge Regieassistent Colin Clarke die Gelegenheit, mit der gefeierten Schauspielerin Marilyn Monroe eine Woche allein durch Großbritannien zu reisen. Dabei lernt er den Weltstar von seiner persönlichen und verletzlichen Seite kennen. – Verfilmung des gleichnamigen biografischen Romans mit Michelle Williams, Emma Watson, Judi Dench, Julia Ormond und Kenneth Branagh. Auch in OmU.

    Regie: Simon Curtis, GB 2011, 99 Minuten

    Trailer ansehen

    Auf filmfriend streamen
     

    Closet Monster

    Coming of Age, Drama, LGBTQ* | filmfriend | #kinozuhause

    Der verschlossene, kreative Oscar lebt in der Provinz Kanadas allein mit seinem kauzigen Vater. Nach einem traumatischen Kindheitserlebnis, beginnt er, seine Identität zu unterdrücken. – Fantasie mischt sich mit der Realität in diesem berauschenden Coming-of-Age-Drama mit überragenden Schauspielern und einem fantastischen Indie-Soundtrack. OmU

    Regie: Stephen Dunn, Kanada 2016, 87 Minuten

    Trailer ansehen

    Auf filmfriend streamen

    Nightmare Alley

    Drama/Thriller | DVD

    Oscar®-Preisträger Guillermo del Toro hat den faszinierenden Roman von William Lindsay Gresham kongenial inszeniert und zusammen mit Kim Morgan für die große Leinwand in absoluter Starbesetzung mit Bradley Cooper und Cate Blanchett adaptiert. Entstanden ist ein atemberaubender Film noir, der durch seine Visualität und Intensität seinesgleichen sucht.

    Regie: Guillermo del Toro, USA 2021, 144 Minuten

    Trailer ansehen

    Link zum Katalog
     

    Die Poetin

    Buchverfilmung, Liebe, LGBTQIA | filmfriend | #kinozuhause

    Auf der Suche nach Inspiration reist die US-amerikanische Dichterin Elizabeth Bishop nach Brasilien, wo sie die brasilianische Architektin Lota de Macedo Soares kennen und lieben lernt. – Ein sensibles und zugleich starkes Frauenporträt der bekannten Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Bishop, gespielt von Miranda Otto. Auch in OmU verfügbar.

    Regie: Bruno Barreto, Brasilien 2013, 116 Minuten

    Auf filmfriend streamen
     

    24h Europa

    Serie, Staffel 1 | Gesellschaft, Alltag | filmfriend | #kinozuhause

    60 junge Menschen aus 26 Ländern im geografischen Europa. Die Zukunft des Kontinents. Eine Angehörige der norwegischen indigenen Minderheit ist dabei, ein ukrainischer Soldat, eine Putin-Anhängerin aus Magnitogorsk, eine medizinische Assistentin in Bukarest, ein Erzieher in Griechenland. Aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen sie von ihren Träumen und Lebensrealitäten in Echtzeit, 24 Stunden lang! Die 24-teilige Serie 24H EUROPA wurde 2018 kurz vor Mittsommernacht gedreht und ist nur bei filmfriend verfügbar.

    Regie: Vassili Silovic, Britt Beyer, Belgien / Deutschland / Finnland / Frankreich / Tschechien 2019, 60 Minuten

    Auf filmfriend streamen
     

    Berlin Alexanderplatz

    Jetzt wieder verfügbar: Rainer Werner Fassbinders epochale Serie nach Alfred Döblin
    Serie | Buchverfilmung, Drama | filmfriend | #kinozuhause

    Mit nur 37 Jahren starb Rainer Werner Fassbinder am 10. Juni 1982. Zu seinem 40. Todestag empfehlen wir seine 14-teilige Serie BERLIN ALEXANDERPLATZ nach dem gleichnamigen Jahrhundertroman von Alfred Döblin. Nach der Erstausstrahlung 1980 kontrovers diskutiert, gilt sie dennoch als eines der maßgeblichen Schlüsselwerke Fassbinders: Franz Biberkopf muss sich nach seiner Haftentlassung wieder im normalen Leben in der verwirrenden Metropole Berlin zurechtfinden.

    Regie: Rainer Werner Fassbinder, Deutschland 1980

    Auf filmfriend streamen


    Abseits des Lebens

    Drama | DVD

    Der Film erzählt die eindringliche Geschichte von Edee, einer Frau (Robin Wright), die nach einem schmerzhaften Verlust alle Brücken hinter sich abbricht und ein neues Leben in der Einsamkeit der Rocky Mountains beginnt – in einer gnadenlosen Umgebung, die nichts verzeiht.

    Regie: Robin Wright, UK/Kanada/USA 2021, 90 Minuten

    Trailer ansehen

    Link zum Katalog


    House of Gucci

    Drama/Biopic | DVD

    Meisterregisseur Ridley Scott wendet sich der abgründigen Familiengeschichte der weltberühmten Guccis zu und liefert uns ein Filmvergnügen, das Geheimnisse, Intrigen, Glamour, Eleganz und Spannung in sich vereint.

    Regie: Ridley Scott, USA 2021, 152 Minuten

    Trailer ansehen

    Link zum Katalog
     

    Mütter & Töchter

    Drama, Komödie | filmfriend | #kinozuhause

    Fotografin Rigby wird unerwartet schwanger und muss sich zwischen Kind und Karriere entscheiden. In ihren Bildern erzählt sie von verschiedenen Mütter-Töchter-Beziehungen. – Ensemble-Film mit Sharon Stone, Christina Ricci, Susan Sarandon, Selma Blair und Courtney Cox.⁠ Auch in OmU.

    Regie: Nigel Levy, Paul Duddridge, USA 2016, 93Minuten

    Trailer ansehen

    Auf filmfriend streamen
     

    Mother

    Drama, Komödie | filmfriend | #kinozuhause

    Der geistig zurückgebliebene Do-joon wird aufgrund von Indizien wegen Mordes an einem Mädchen angeklagt. Seine überfürsorgliche Mutter setzt alles daran, seine Unschuld zu beweisen, und bringt Verborgenes zutage. – Faszinierender Thriller zwischen Hitchcock und Lynch, von “Parasite”-Regisseur Bong Joon-ho. 

    Regie: Nigel Levy, Paul Duddridge, USA 2016, 93Minuten

    Trailer ansehen

    Auf filmfriend streame
     

    Personal Shopper

    Drama, Mystery-Thriller | filmfriend | #kinozuhause

    Maureen arbeitet als persönliche Einkäuferin für Promis. Plötzlich erhält sie geheimnisvolle Nachrichten von einer unbekannten Nummer. Sind das Zeichen ihres verstorbenen Zwillingsbruders? – In Cannes ausgezeichneter Mystery-Thriller von Olivier Assayas, mit Kristen Stewart und Lars Eidinger. Auch in OmU.

    Regie: Olivier Assayas, Belgien / Deutschland / Frankreich / Tschechien 2016, 106 Minuten

    Trailer ansehen

    Auf filmfriend streamen

    Aktuelle Themen auf filmfriend

    Pride Month

    Farbe bekennen… heißt es im Juni, denn weltweit wird der Monat als “Pride Month” gefeiert.

    Zum Pride Month legen wir euch unsere umfangreiche Kollektion mit “Queertastischen Filmen” ans Herz. Die darin zusammengestellten Spiel- und Dokumentarfilme nähern sich dem Thema auf spannende thematisch vielfältige Weise. Wir wünschen viel Spaß beim Entdecken!

    Kollektion "Pride Month"

    Filme und Serien auf filmfriend

    Kino für zu Hause - jederzeit und on Demand: Streamen Sie sich durch Filmklassiker, internationale Arthouse-Filme, sehenswerte Familienfilme, interessante Dokumentationen und lustige Kurzfilme. Mittlerweile stehen mehr als 3.500 Filme und Serien zur Verfügung.

    Kollektionen auf filmfriend

    Die Einteilung in verschiedene Kategorien und Kollektionen zu aktuellen Themen helfen dabei, den richtigen Film zu finden.

    filmfriend noch nicht ausprobiert? So funktioniert's:

    • Bequem vor dem Fernseher mit der filmfriend-App für Android TV, Fire TV und Apple TV.
    • Auf PC oder Mac über den Internetbrowser: dornbirn.filmfriend.at
    • Oder auf dem Tablet oder Smartphone mit der filmfriend-App (die App unterstützt außerdem Downloads und eine Offline-Nutzung für unterwegs)
    • Mit dem Bibliotheksausweis anmelden und losschauen.

    filmfriend-Newsletter

    Damit Sie immer wissen, was bei filmfriend läuft, gibt es ab sofort einen speziellen Newsletter mit Filmneuheiten, Highlights und mehr. Hier können Sie sich anmelden.

  • Bestseller

    Hier finden Sie eine Zusammenstellung aktueller Bestsellerlisten sowie die ORF Bestenliste:

    Bestseller Belletristik

    Bestseller Sachbuch

    ORF Bestenliste

  • Neuerwerbungen
Zum Seitenanfang