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Bücher, Bücherstapel, © Though Catalog on Unsplash
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Medientipps, Bestseller und Neuheiten

Medientipps, Bestseller und Neuheiten

Romane, Sachbücher, Klassiker, aktuelle Bestseller und nicht zu vergessen eine große Auswahl an Hörbücher, Filmen und Serien. Bei uns finden Sie bestimmt das Richtige. Außerdem können Sie aus über 100 Zeitungen und Magazinen wählen. Um die Auswahl zu erleichtern, haben wir an dieser Stelle ein paar Tipps zusammengestellt, die monatliche aktualisiert werden.

  • Buchtipps

    Dmitrij Kapitelman: Eine Formalie in Kiew

    Hanser 2021

    Dmitrij war vor 17 Jahren zuletzt in der Ukraine, und da war er 8 Jahre alt. Seitdem ging er in Dresden zur Schule, lernte dabei Sächsisch, studierte und machte seinen Weg.

    Jetzt will er seine deutsche Mentalität mit einem deutschen Pass komplettieren. Und dafür braucht er eine aktuelle Geburtsurkunde samt Beglaubigung, die er nur in Kiew bekommt. Also ist ein Minimum an ukrainischer Gewandtheit nötig, um Deutscher zu werden. Eine Reise in die Vergangenheit mit zahllosen Überraschungen beginnt.

    Kapitelman beschreibt in einem zwischen Humor und Melancholie schwankenden Ton seine Erfahrungen als Wanderer zwischen den Welten. Wie geht das: ukrainische Staatsdiener schmieren? Wie fühlt sich das an: seinen Vater in ein ukrainisches Krankenhaus einliefern? Und wie soll das gehen: sich mit seiner ukraine-nostalgischen Mutter und ihrer Katzenmanie versöhnen?

    Eine Stimme der Menschlichkeit, die in der Erzählung des Dazwischen amtliche Vorstellungen von strammer Anpassung unterläuft. Und eine warm erzählte Familiengeschichte, die anrührt in ihrer Offenheit.

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    Julia Phillips: Das Verschwinden der Erde

    Dtv 2021

    Die zwei Schwestern Aljona und Sofija, 11 und 8 Jahre alt, schlagen die Zeit am Strand der sibirischen Halbinsel Kamtschatkas tot. Ihre alleinerziehende Mutter wird sowieso erst spät von der Arbeit heimkehren. Doch die beiden kommen nie zuhause an.

    Ihr Verschwinden zieht weite Kreise der Betroffenheit in der eng miteinander verwobenen Gesellschaft unweit des Polarkreises. Leise und unaufgeregt lernen wir weitere weibliche Schicksale kennen. Warum sind so viele Mütter auf sich allein gestellt? Wie verkraftet eine Gesellschaft die Öffnung, nachdem sie bis 1990 als militärisches Sperrgebiet abgeschnitten war vom Rest der Welt? Wie kommen die Ureinwohner Kamtschatkas mit ihrer Rolle als verachtete Randgruppe zurecht?

    Eine fremde, abgelegene Welt öffnet sich uns. Und auch das Schicksal der beiden Mädchen bekommt am Schluss noch eine Stimme.

    Die amerikanische Autorin hat ein Jahr auf Kamtschatka verbracht. Ihr Konstruktionsprinzip, wie in einem Fächer nur lose miteinander verbundene Frauenschicksale vor uns auszubreiten, hat Stärken und Schwächen. Manche Kapitel haben Blut und Wärme, andere wiederum bleiben seltsam kalt und rätselhaft.

    Für Menschen, die sich gerne auf fremde Welten einlassen und mit gucklochartigen Einblicken zufrieden sind.

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    János Székely: Verlockung

    Diogenes 2016

    In einem ungarischen Bauerndorf zwischen den Weltkriegen fristet der kleine Béla ein elendes Leben als Pflegekind einer habsüchtigen Furie. Er ist ein leidenschaftliches, zutiefst verletztes Kind. Die erlittene Herzenskälte und bittere Armut machen aus ihm einen Außenseiter, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Da entfacht die Aussicht, zu seiner Mutter nach Budapest gehen zu dürfen, ungeahnte Kräfte in ihm.

    Der Autor zieht einen großen Bogen durch eine harte Kindheit und Jugend voller Entbehrungen und spärlicher Triumphe. Wir kosten die unglaublichen Höhen und Tiefen im Leben dieses besonderen Menschen aus. Und wir lassen uns in ein Ungarn der extremen sozialen Gegensätze entführen.

    Dies ist eine literarische Delikatesse, die über Generationen ein Dauerbrenner war und bleiben wird! Sinnliche Lektüre der Extraklasse für Menschen, die gerne ein wenig tiefer eindringen wollen in die Triebkräfte menschlicher Schicksale.

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    Cho Nam-Joo: Kim Jiyoung, geboren 1982

    Kiepenheuer & Witsch 2021

    Die 33-jährige liebende Ehefrau und Mutter Kim leidet offenbar unter einer Persönlichkeitsstörung. Manchmal redet sie, als ob sie eine andere Person wäre. Und dann sagt sie ihren Zuhörer:innen unverblümte Wahrheiten ins Gesicht, die sie als Kim nie gewagt hätte, auszusprechen.

    Was lief schief in Kims Leben, dass sie nur auf diesem Weg aus dem Rollenbild der gefügigen Wachspuppe ausbrechen kann?

    Cho Nam-Joo hat ein klares, einfach aufgebautes, übersichtliches kleines Büchlein geschrieben. Und damit eine Welle der Bewunderung ausgelöst. Denn in schöner Balance zwischen Lebensbericht und Dokumentation wirft sie ein helles Scheinwerferlicht auf Missstände. Nämlich die Herabwürdigungen, denen eine südkoreanische Frau zeitlebens ausgesetzt ist.

    Eines der seltenen Basisbücher, das auf einfache Art Einsichten bietet, denen sich niemand entziehen kann.

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    Axel Hacke: Im Bann des Eichelhechts

    Kunstmann 2021

    Sind Sie eine:r von denen, die im Autotouring-Magazin zuerst die Fotos mit verrückten Verkehrsschildern auf der letzten Seite anschauen? Dann sind Sie ein:e Kandidat:in für dieses Buch!

    Axel Hacke versammelt sprachliche Fehlleistungen, Übersetzungsfehler, Liedtext-Verhörer und ähnliches, und macht daraus etwas Magisches: eine Sightseeingtour ins Sprachland. Hier blühen Tiftrienen im Walde (eigentlich tief drinnen) und Autofirmen sind so entspannt, dass sie Ihren Wagen „im gleichgültigen Zustand“ kaufen. Umzugskartons tragen die Aufschrift „Schlaffzimmer“ und „Fischsalat vom Huhn“ kann freiweg auf der Speisekarte bestellt werden.

    Wer eine Ader für höheren Unsinn hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Ich jedenfalls habe das Buch nicht im Zug geöffnet. Die Mitreisenden hätten sich Sorgen um mich gemacht.

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    Antti Tuomainen: Klein-Sibirien

    Rowohlt 2020

    Das Örtchen Hurmevaara im äußersten Osten Finnlands hat gerade einmal 1000 Einwohner. Aber ein nicht unbeträchtlicher Teil davon gerät in Verdacht, den wertvollen Meteoriten, der in den Wagen des Ralleyfahrers Tarvainen gefallen ist, stehlen zu wollen. Nur der Pfarrer stellt sich zur Verfügung, den Meteoriten im Militärmuseum zu bewachen. Aber der hat noch ein anderes Problem. Seine Frau eröffnet ihm freudestrahlend, dass sie schwanger ist. Dabei ist er zeugungsunfähig.

    Der finnische Krimipreisträger Tuomainen hat einen Krimi mit schwarzem Humor geschrieben, der aufhorchen lässt. Der Pfarrer erinnert stark an Don Camillo und würde ohne seine Kriegseinsatz-Vergangenheit keinen Stich machen.

    Zugleich hat der Krimi eine ganz eigene lakonische Sprache und beeindruckt durch starke Bilder aus dem finnischen Winter. Spannungsleser:innen mit literarischem Anspruch werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

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    Colum McCann: Apeirogon

    Rowohlt 2020

    Das mir zuvor völlig unbekannte Wort bezeichnet eine zweidimensionale Figur mit fast unendlich vielen Seiten. Das erinnert an das Kaleidoskop unserer Kinderzeit, das durch Schütteln von Schmuckplättchen immer wieder neue Muster zaubert.

    Und genau das macht dieses Buch. Es erzählt davon, wie Rami und Bassam, ein israelischer und ein palästinensischer Vater, durch Attentate ihre gerade flügge werdenden Töchter verlieren. Und wie sie sich dazu durchringen, Schulter an Schulter an den Wurzeln des israelisch-palästinensischen Konfliktes zu sägen; am Hass.

    Kleine und Kleinstkapitel bieten auf den ersten Blick harmlose Details, die es in sich haben. Große Literatur!

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    Jana Volkmann: Auwald

    Verbrecher Verlag 2020

    Die junge österreichische Autorin hat mit Judith eine sympathische Antiheldin geschaffen. Judith kann es nicht so mit Menschen. Dafür als Tischlerin umso besser mit Holz. Schließlich muss ihr Chef sie bitten, auch einmal eine Erholungszeit zu nehmen. Als Touristin in Bratislava dauert es nicht lange, bis sie buchstäblich die ausgetretenen Pfade verlässt.

    Eine erfrischende, sprachmächtige Expedition durch den Auwald und zu sich selbst!

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    Karin Kalisa: Sungs Laden

    C.H.Beck 2015

    Der achtjährige Minh, aufgewachsen am Prenzlauer Berg, Berlin soll ein vietnamesisches Kulturgut in die Schule mitbringen.

    Und weil seine Großmutter eine Marionette in der Schule vorführt, kommt eine Welle ins Rollen. Schließlich laufen Parkwächter mit Kegelhüten auf den Köpfen herum und vielbefahrene Straßen werden von Pop-up-Brücken überwunden.

    Eine heitere und frohe Utopie, die zeigt, was möglich wäre, wenn Menschen auf Menschen zugehen, egal welcher Herkunft. Lieblingsbuch zahlloser Fans! Für Menschen, die an das Gute glauben und darin bestärkt werden wollen.

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    John Boyne: Cyril Avery

    Piper 2018

    Cyril ist sieben Jahre alt, als er seinen Freund Julian kennenlernt, ein lebenslustiger Typ, den der homosexuelle Cyril während seiner ganzen Jugend heimlich begehrt. Im Irland der Nachkriegszeit homosexuell zu sein, ist ein schweres Los. Cyrils lügenvolles Leben kulminiert in einem folgenschweren Fehler. Erst dann kann Cyril ein neues Leben beginnen.

    Ein Schmöker, bei dem wir am Ende traurig sind, Cyril, der uns zum Freund wurde, verlassen zu müssen. Ein zu Herzen gehendes Schicksal, erzählt in einer so geschmeidigen Sprache, lässt die über 700 Seiten wie im Flug vergehen.

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    Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten.

    hanserblau 2019

    Alice Hasters Buch hat mich zutiefst betroffen gemacht und Reflexionen zu meinem eigenen Verhalten angeregt, zeigt aber auch konkrete Handlungsmöglichkeiten auf und bietet Hoffnung. Große Empfehlung!

    „Selten fühlen sich weiße Menschen so angegriffen, allein und missverstanden, wie dann, wenn man sie oder ihre Handlungen rassistisch nennt. Das Wort »Rassismus« wirkt wie eine Gießkanne voller Scham, ausgekippt über die Benannten. Weil die Scham so groß ist, geht es im Anschluss selten um den Rassismus an sich, sondern darum, dass ich jemandem Rassismus unterstelle.“

    Alice Hasters wählt in ihrem Buch einen sehr persönlichen Zugang zum Themenkomplex Rassismus: sie erzählt aus ihrer Biografie als Schwarze Frau in Deutschland über Rassismus im Alltag. Eindringlich verbindet sie die Anekdoten auf theoretischer Ebene mit historischen Belegen und macht klar: wir alle tragen dazu bei und müssen uns mit unserem Rassismus befassen, auch wenn es unangenehm oder gar schmerzhaft wird.

    Falls lieber gehört werden will: das Hörbuch, von der Autorin selbst gelesen, findet sich auf allen Hörbuchplattformen kostenlos (etwa auf Spotify oder audible).

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    Tanja Paar: Die zitternde Welt

    Haymon 2020

    Die Österreicherin Maria schlägt sich 1896 schwanger zu ihrem Freund durch. Der lebt als Bauingenieur der Bagdadbahn in einem Dorf mitten im Osmanischen Reich. Da verdüstert sich der weltpolitische Horizont. Es riecht nach Krieg. Ein Roman, der das Schicksal einer Familie in den großen weltpolitischen Verwerfungen ihrer Zeit verfolgt. Abseits von Klischees und mutig in seiner Schilderung menschlichen Scheiterns.

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    Meena Kandasamy: Schläge. Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau

    Culturbooks 2020

    Die indische Autorin erzählt, reflektiert und beleuchtet ihr viermonatiges Leben als geschlagene, misshandelte und vergewaltigte Ehefrau. Dieses Buch ist ein Molotowcocktail. Es sprengt Grenzen. Grenzen der Selbsterkenntnis und der Scham, Grenzen des Sagbaren, Grenzen des gesellschaftlich Akzeptierten und Grenzen zwischen den Geschlechtern.

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    Benjamin Myers: Offene See

    DuMont 2020

    Der 16-jährige Bergarbeitersohn Robert macht sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zu Fuß auf, um sein Land näher kennenzulernen, wandert durch grüne Wiesen und Flusstäler. Da trifft er auf die alte Dulcie, die zusammen mit ihrem Hund in einem überwucherten Cottage über dem Meer wohnt. Ein Buch der menschlichen Weisheit, des zauberischen Loblieds auf die Natur und die Poesie. Ein Buch für Herz und Seele!

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    Chimananda Ngozi Adichie: American

    S. Fischer 2013

    Ifemelu, eine gut ausgebildete Nigerianerin übersiedelt als Princeton-Stipendiatin in die USA. Sie wird unterstützt und liebevoll begleitet aus der Ferne von ihrer großen Liebe Obinze. Der Kulturschock und besonders die unüberwindlich scheinenden Geldprobleme werfen sie aus der Bahn. Am Tiefpunkt ihrer Selbstentfremdung lässt sie den Kontakt mit Obinze abreißen. Aber das Leben in den USA hat gerade erst begonnen. Besonders ihr Blog, in dem sie messerscharf analysiert, wie Schwarze in den USA behandelt werden, eröffnet ihr neue Wege. Als sie in den USA voll angekommen ist, trifft sie eine Entscheidung, die niemand in ihrem Umfeld verstehen kann.

    Adichie ist eine großartige Beobachterin und Erzählerin. Auf 600 Seiten nimmt sie uns an die Seite von Ifemelu, die erst in den USA bemerkt, dass sie ein Hautfarbenproblem hat. Nebenbei lernen wir viel über unsere eigenen Vorurteile und über die Stellung von Schwarzen in Amerika. Am fesselndsten ist aber die menschliche Entfaltung Ifemelus, die sich selbst emanzipiert und lernt, auf ihre innere Stimme zu hören. Die Stimme einer schwarzen Autorin, der zuzuhören sich lohnt. Und zwar auf jeder der 600 Seiten.

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    Heinrich Steinfest: Der Chauffeur

    Piper 2020

    Der Chauffeur Paul Klee macht einen Fehler, den er sich selbst nicht verzeihen kann. Er rettet bei einem Autounfall nicht zuerst das 10-jährige Kind, sondern seinen eigenen Chef, einen skrupellosen Machtmenschen. Indem er daraufhin mit seiner neuen Liebe ein „Hotel zur kleinen Nacht“ eröffnet, beginnt er ein neues Leben, und das ist nicht das letzte Mal, dass er neu anfangen muss…

    Heinrich Steinfest schreibt einen gelassenen, nachdenklichen und immer auch humorvollen Stil. Er ist zugleich ein bodenständiger Realist, ein tiefgründiger Philosoph und ein verrückter Fantast. Von all dem bedient er sich souverän und doch ist der Roman aus einem Guss. Jeder Satz schmeichelt der Intelligenz und der Sprachliebe des Lesenden. Das nächste Buch von Steinfest nehme ich mir in die Quarantäne mit (wenn sie denn kommen sollte) – ein möglichst dickes.

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    Maria Lazar: Leben verboten!

    Das vergessene buch 2020

    Das Buch einer Wiener Autorin, die ins Exil gehen musste, spricht zu uns aus dem Jahr 1932, ist aber 2020 zum ersten Mal in voller Länge erschienen. Und das ist ein Verdienst, denn sein expressionistischer Stil und die herausragende Zeitanalyse der Autorin suchen ihresgleichen. Ich wurde an „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin erinnert.

    Die Autorin schreibt kraftvoll und bildhaft. Lange Passagen bestehen aus wörtlicher Rede, die sie meisterhaft einsetzt. Ein ungewöhnlicher, erfrischender Stil ganz nah an den Menschen, die damals die Straßen bevölkerten: Hausangestellte, verarmte Adlige, Arbeitslose und nationalsozialistische Fanatiker.

    Herr von Ufermann, gutsituierter Firmenchef, hat Alpträume. Und die sollen sich als Vorzeichen herausstellen, denn seine Brieftasche mit den Flugtickets wird gestohlen, er verpasst seinen Flug und damit seinen eigenen Tod, denn das Flugzeug stürzt ab und alle Insassen verkohlen zur Unkenntlichkeit. Statt seines Lebens froh heimzukehren, gerät er in eine Identitätskrise. Denn seine Firma und wohl auch seine Ehe kann nur mit den Versicherungsmillionen gerettet werden, die mit seinem Tod fällig werden. Er lässt sich treiben und gerät an kriminelle Politaktivisten, die ihn gut gebrauchen können.

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    János Székely: Verlockung

    Detebe 2016

    Hier ist der Langzeit-Favorit zahlloser Menschen. Der Bauernjunge Béla arbeitet zwischen den beiden Weltkriegen als Liftboy in einem Budapester Grandhotel. Bittere Armut und überbordender Reichtum des Geldadels treffen aufeinander. Sinnliche, anregende Lektüre, die fast 1000-seitig zum Abtauchen taugt.

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    Christine Wunnicke: Die Dame mit der bemalten Hand

    Berenberg 2020

    Wir schreiben das Jahr 1764. Musa al Lahuri, Astronom am Hof des Herrschers von Jaipur, und Carsten Niebuhr, dänisch-deutscher Forschungsreisender im Orient, treffen wider alle Wahrscheinlichkeit aufeinander. Poetisch-leichtfüßige Kostbarkeit mit hintergründigem Humor und viel Lust am Spiel mit der Sprache. Ein kleines Wunder!

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    Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt

    Klett-Cotta 2020

    Wir haben durch Corona auch einiges gelernt: zum Beispiel innezuhalten. Hier ist das Buch dazu. Iris Wolff erzählt eine Familiengeschichte aus dem Banat in vier Generationen und schafft es zugleich, die Zeit stehenzulassen. Nichts hastet nach vorne, nichts will überlesen sein. Jedes Wort lässt Gegenwart spüren: sinnliche Eindrücke, Wahrnehmungen, Gefühle. Außergewöhnlich!

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    Ferdinand von Schirach: GOTT. Ein Theaterstück

    Luchterhand 2020

    Ist es moralisch gesehen vertretbar, sein Leben selbst zu beenden, auch wenn man körperlich und geistig gesund ist? Und darf man dabei aus ethischer Sicht ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?

    Dieser Frage widmet sich die deutsche Ethikkommission bei einer Anhörung zum Fall Richard Gärtner. Dem 78-Jährigen bedeutet sein Leben nach dem Tod seiner Frau nichts mehr. Expertenmeinungen aus der Ärzteschaft, der katholischen Kirche und des Rechts werden eingeholt. Der Anwalt von Gärtner spielt den Advocatus Diaboli. Er zerpflückt die vorgetragenen Einwände und versucht so, dem Anliegen Gärtners eine Tür zu öffnen. Die Entscheidung wird – wie schon bei dem Stück „Terror“ von Schirach – dem Publikum überlassen.

    Schirach gelingt ein Doppeltes: Er führt vor, wie in Zeiten medialer Schlammschlachten eine emotional aufgeladene Frage von allen Seiten beleuchtet wird - besonnen und unter Achtung der Kontrahenten. Und er spielt den Ball zurück an die Lesenden, die sich in den vorgetragenen Positionen wiederfinden können. Ein Buch, das Diskussionen im Freundeskreis auslösen soll und wird. Ein Buch, das die existenzielle Frage stellt: Wem gehört unser Leben? Jede/r wird sie auf seine persönliche Art beantworten wollen.

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    Sandra Weihs: Delilah

    Czernin 2020

    Penelope ist eine Schülerin, die es aufgegeben hat, nach Freundinnen zu suchen. Da tritt die neue Mitschülerin Delilah in ihr Leben, ein Vogel, dem von klein auf „das Lied der Freiheit geträllert wurde“. Und mit Delilah kommen Mut, Freundschaften, eine Clique und schließlich die erste Liebe.

    Aber als Delilah eines Nachts wegen ihrer Unfähigkeit Nein zu sagen, vergewaltigt wird, geht ein Riss durch das Fundament der verschworenen Gemeinschaft. Penelope muss Farbe bekennen. Überlässt sie weiterhin Delilah die Führung für ihr Leben? Und wenn sie selbst das Ruder übernimmt, wählt sie das sichere Nest oder den freien Flug?

    Ein sehr poetischer, zu Herzen gehender Roman einer jungen österreichischen Autorin mit einer ganz eigenen Sprachmelodie. Wer einmal SchülerIn war und sich an das Gefühl der offenen Zukunft als junger Mensch erinnern kann, taucht tief in diese sensible Gefühlswelt mit ein. Ein musikalisches Buch mit großer poetischer Strahlkraft.

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    Isabelle Autissier: Herz auf Eis

    Mare 2017

    Ein junges Paar kündigt sein vorhersehbares Leben auf und bricht zu einer Weltumsegelung auf. Ludovic, der erfolgsverwöhnte Sonnyboy, und Louise, die zierliche Bergsteigerin, geraten auf einer Insel in der antarktischen See in einen Sturm. Am nächsten Morgen ist ihr Schiff wie vom Erdboden verschluckt. Ab da beginnt ein Psychokrimi. Im Kampf ums Überleben wird ihre Liebe auf die Probe gestellt, aber nicht nur das. Die existenzielle Not bringt Seiten in ihnen zum Vorschein, die sie nie in sich vermutet hätten. Bis eine Entscheidung ansteht, die ihrer beider Schicksal auseinanderreißt.

    Die Autorin ist im wahren Leben die erste Frau, die alleine die Welt umsegelt hat. Das erklärt die hohe Glaubwürdigkeit der Handlung. Die verzweifelten Rettungsversuche und Stimmungswechsel des Paares lassen uns hoffen und bangen. Dazu kommt die hohe Bildkraft der Sprache. Eine Reise nicht nur zu den Schönheiten der Erde, sondern auch zu den Triebkräften der menschlichen Natur.

    Für alle, aber besonders für Menschen, die psychologische Spannung schätzen.

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    Ilija Trojanow: Doppelte Spur

    S. Fischer 2020

    „Alles in diesem Roman ist wahr oder wahrscheinlich.“ Dieser Satz steht dem Buch voran. Auch wenn das Entsetzen über haarsträubende Machenschaften mich Zeile für Zeile nicht mehr loslässt – ja, das glaube ich.

    Ilija bekommt sowohl von amerikanischer als auch russischer Seite geleakte Dokumente zugeschickt. Bei der Aufarbeitung wird klar, wie skrupellos Politfunktionäre beider Seiten mit Wahrheit, Geld und Macht umgehen. Wegen emotionaler Überforderung bekommt Ilija Verstärkung durch einen Journalisten-Kompagnon. Auch Emi gesellt sich dazu, die den Fall Sexueller Massenmissbrauch durch „Geoffrey Wasserstein“ aufarbeitet. Zwischen Ilija und Emi keimt ein Funke von Gefühl auf.

    Ein Höllenritt durch die Umtriebe eines Konglomerats aus Mafia, Multimillionären und Politmanagern, die sich in ihrer Abgefeimtheit nicht voneinander unterscheiden. Trump und Putin bis zur Kenntlichkeit entstellt. Die Wärme der Liebesgeschichte als rettender Anker in einem Ozean der Kälte.

    Obwohl harte Kost möchte ich kein Wort davon missen. Besser die Tiefe des Abgrunds kennen, als ahnungslos darüber hinwegzuspazieren.

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    Lisa Eckhart: Omama

    Zsolnay 2020

    Lisa Eckhart, die Grenzgängerin und Stein des Anstoßes im österreichischen Kabarett hat ihr erstes Buch geschrieben. Es soll von der Biografie ihrer Oma handeln, eigentlich ist es aber eine österreichische Provinzsatire von der Besatzungszeit bis in die 80er Jahre.

    Wenn im gesellschaftlichen Diskurs die Grenze des Anstoßes bewusst vermieden wird, fühlt sich Lisa Eckhart genau dort und noch weit dahinter in ihrem Element. Wenn das Verschweigen beginnt, setzt sie ihre rhetorischen Scheinwerfer ein. Derbe Dialektwörter, findige Sprachassoziationen und Zuspitzung bis hin zur Farce sind ihre Mittel.

    In Ihrer kabarettistischen Kunst macht sie Tabus sichtbar und leuchtet dunkle Winkel des gesellschaftlichen Bewusstseins aus. In einem Roman ermüdet aber der geballte Sprachwitz. Die Handlung verliert den roten Faden. Bösartige Beleidigungen, Obszönitäten und Unverschämtheiten aneinandergereiht verlieren die Wirkung. Eine Kürzung auf die Hälfte hätte dem Buch vielleicht gut getan.

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    Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie

    Diogenes 2017

    1886 landet der junge russische Jude Boris Sidis mittellos in New York. 5 Jahre später beginnt er ein Psychologiestudium in Harvard, absolviert danach ein zusätzliches Medizindoktorat und treibt die Forschungen zu psychischen Krankheiten voran. Rastlos und bildungsvernarrt wie er ist, entwickelt er eine völlig neue Erziehungsmethode für seinen Sohn William.

    Billy lernt mit 18 Monaten lesen und beginnt mit 11 Jahren, nach 3 Jahren Wartezeit ein Harvard-Studium. Er spricht 25 Sprachen. Da wendet sich das Blatt. Als Erwachsener zieht sich Billy immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und nimmt Routinejobs im Büro an. Er lehnt die ungleiche Verteilung von Reichtum und Chancen ab und engagiert sich im Kommunismus.

    Dass er nie gelernt hat, menschliche Wärme und Empathie zu empfinden, lässt ihn schließlich scheitern. Das spannende, episch ausgebreitete Schicksal eines Menschen, der das Heil der Menschheit allein in der Rationalität sucht. Zum Reinknien an regnerischen Sonntagen.

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    Kathrin Passig / Aleks Scholz: Handbuch für Zeitreisende

    Rowohlt 2020

    Herzlich willkommen im Pleistozän! Abenteuerurlaub in der ehemaligen DDR! Lassen Sie die Seele baumeln beim Urknall! Alles, was Zeitreisende wissen müssen, versammelt in einem inspirierenden Reiseführer. Wer sagt denn, dass in Zeiten von Corona keine Abenteuer mehr möglich sind?

    Nachdem wir alles über die physikalischen Voraussetzungen für Zeitreisen erfahren haben, wenden wir uns den attraktiven Reisezielen zu. Wir erhalten Rat darüber, wie wir am besten in den Lauf der Geschichte eingreifen. Und wie wir mit Seuchen im Mittelalter und Toiletten im alten Rom umgehen.

    Ganz nebenbei fällt es uns wie Schuppen von den Augen. Die Entdeckung des Penicillins 1928 war epochemachend. Und Island ragt im frühen Mittelalter als sehr empfehlenswertes Land heraus. Die genaue Datierung des Ankunftstermins ist komplizierter als man denkt, solange jedes kleine Land eine eigene Zeitrechnung pflegt. Und was es da noch an faszinierenden Details zu beachten gilt, bevor wir uns in das Wurmloch stürzen.

    Geschichte für Weltenbummler, Reisen für Kopf-Globetrotter, Führung für Fantasten!

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    Samanta Schweblin: Hundert Augen

    Suhrkamp 2020

    Kentukis sind käufliche fahrbare Plüschfiguren, niedlich, aber auch irgendwie schäbig. In den schwarzen Knopfaugen der Kentukis verstecken sich Kameras. Sie übertragen jede Bewegung der Kentuki-Halter auf einen Computerbildschirm. Und irgendwo auf der Welt starrt ein Mensch, der sich den Zugang gekauft hat, darauf.

    Diese Konstellation hat es in sich. Der Siegeszug der Kentukis ist nicht aufzuhalten. Da gibt es immer mehr Menschen, die einen Beobachter in ihr Leben einladen. Oder bis in die intimsten Regungen am Leben eines Andern mitnaschen wollen. Zum Beispiel das Kaninchen Emilia, eine einsame Rentnerin in Lima. Sie versucht, ihre „Betreuerin“ Eva zu warnen, da sie beobachtet, wie ihr Freund sie beklaut. Oder Katia und Amy. Mithilfe von peinlichen Videoaufnahmen ihrer Mitschülerin Susan wollen sie diese kompromittieren. Erpressung inclusive.

    Wir verfolgen gebannt die Untiefen, in die Menschen geraten, wenn sie glauben, anonym bleiben zu können. Aber mit der Anonymität ist das so eine Sache… Nach Art eines Psychothrillers entwickeln sich die Beziehungen in eine Richtung, die nicht vorhersehbar war. Ein grauenerregendes und faszinierendes Experiment mit der menschlichen Psyche. Und das ist kein Zukunftsroman!

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    Helena Adler: Die Infantin trägt den Scheitel links.

    Jung und Jung 2020

    Eine Kindheit auf dem Bauernhof. Zugleich eine Parforcejagd durch die Hölle. Jedes Wort ein Treffer. Die Urgroßeltern sind schon zu alt zum Sterben. Die Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits sind verfeindet wie die Montagues und Capulets. Die Eltern verdreschen sich gegenseitig. Die älteren Zwillingsschwestern piesacken die Jüngste mit sardonischer Freude. Und mittendrin das keineswegs unschuldige Ich, das wie aus Notwehr das elterliche Heim abfackelt.

    Adler beherrscht die Sprache, wie ich es bisher noch nicht lesen konnte. Weltliterarische Anspielungen und Ausflüge in die ordinärsten Schmutzkübel wechseln sich ab. Dialektbeschimpfungen erhöhen die Fallhöhe der Bibelzitate. Berühmte Gemälde werden herbeizitiert und sprachliche Bilder beschworen, die wie der Blitz einschlagen.

    Das Buch ist auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und für den Österreichischen Buchpreis nominiert. Die bäuerische Originalität ihrer Sprache ist so erfrischend, dass ich ihr jeden Preis gönne. Ihre Beobachtungsgabe ist fast schon mörderisch. Ein ganz besonderes Ausnahmetalent, das die Gehirnzellen gehörig aufwirbelt.

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    Robert Seethaler: Der letzte Satz

    Hanser 2020

    Gustav Mahler sitzt an Deck des Schiffes „America“ mit Ziel Europa, in eine warme Wolldecke gewickelt. Er weiß, dass er sterben wird. Ein Strom von Gedanken und Erinnerungen zieht an ihm vorbei. Seine musikalischen Erfolge in Wien und New York, das Scheitern seiner Ehe mit Alma, der traumatische Tod seiner Lieblingstochter Maria. Ein 15-jähriger Schiffsjunge wartet ihm auf. Er lässt sich nicht abschrecken vom ruppigen Ton Mahlers und kommt mit ihm ins Gespräch.

    Seethaler möchte sein Buch nicht als biographische Annäherung an die historische Person Mahlers verstehen, sondern als eigenständiges künstlerisches Werk. Eine leise Melancholie durchzieht die Sätze. Der glasklare Stil Seethalers, der sich Zeit nimmt und Pausen lässt für das Nachdenken, streichelt die Seele. Dennoch muss ich mich manchen Kritikern anschließen: der Charakter Mahlers bleibt zu schemenhaft. Und viele Gedanken Mahlers bleiben im Belanglosen stecken.

    Ein hochgepriesenes Werk, das bei mir nicht angekommen ist. Bitte selbst nachprüfen und gerne mit mir in Austausch gehen!

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    Amir Hassan Cheheltan: Der Zirkel der Literaturliebhaber

    C.H. Beck 2020

    Dies ist kein Roman, eher ein leidenschaftliches Zeugnis für die Liebe zur Literatur. Cheheltan nahm schon als Jugendlicher am Literaturzirkel seines Vaters teil. Mitten in Teheran versammelte dieser 32 Jahre lang 8 Literaturbegeisterte zum wöchentlichen Diskussionsabend.

    Das Buch erhält seine Spannung durch einen extremen Kontrast. Die Unterdrückungsmaßnahmen des Regimes – sei es unter dem Schah oder unter den islamischen Religionsführern - stehen Cheheltans schwärmerischer Hingabe an die klassische persische Literatur gegenüber. Hier findet er – auch sexuelle - Freizügigkeit und Realismus statt Ideologie und Heuchelei. Doch auf die Dauer bricht sogar in diese heile Parallelwelt die Brutalität ein.

    Ein erstaunlicher Einblick darin, wie die Literatur eines jahrtausendealten Kulturvolkes in homoerotischen Fantasien schwelgt. Wir nehmen betroffen an der überlebensnotwendigen Abwehrstrategie eines Literaten unter schwierigsten Bedingungen teil.

    Ein zugleich irritierendes und mitreißendes Buch.

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    Marco Balzano: Ich bleibe hier

    Diogenes 2020

    Wer den aus dem Reschensee herausragenden Kirchturm kennt, möchte gerne die Geschichte dahinter kennenlernen. Marco Balzano hat eine ergreifende Handlung mit historischer Faktentreue verbunden.

    Trina ist eine junge Deutschlehrerin aus Graun/Südtirol, eher menschenscheu und „eigensinnig“. In den dreißiger Jahren ballen sich dunkle Wolken am politischen Himmel zusammen. Die aufkommenden Faschisten unter Mussolini setzen alles daran, Südtirol das Deutsche auszutreiben. Die „große Option“ Hitlers stellt die Südtiroler vor die Wahl: entweder Verlust der Heimat durch Auswanderung oder Verlust der Sprache durch Italianisierung. Der Nationalsozialismus fasziniert immer mehr junge Männer.

    Trinas Leben, aufgerieben zwischen landwirtschaftlicher Arbeit, Kinderfürsorge und politischer Unterdrückung, ist kein leichtes. Wie ein Damoklesschwert hängt der Bau des größten Staudamms Europas über dem Dorf. Dennoch finden ihr Mann Erich und sie einen Weg zusammenzuhalten und den immer schlimmer werdenden Zumutungen zu trotzen.

    Ein tief beeindruckendes Lebenspanorama inmitten der für Südtirol schlimmsten Jahrzehnte. Literarisch feinfühlig und charakterstark erzählt. Für alle!

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    Hubert Achleitner: flüchtig

    Zsolnay 2020

    Hubert von Goisern hat seinen ersten Roman geschrieben und mit Hilfe von Wolfgang Köhlmeier sofort den richtigen Verlag gefunden. Seine musikalischen Fähigkeiten kommen auch in diesem Buch, das vollständig ohne Bösewichte auskommt, zum Tragen. Ein Gefühl für Sprachmelodien und überaus treffende und kreative Vergleiche machen das Lesen zum Genuss. Sanft und menschenfreundlich wird das seit 30 Jahren verheiratete Paar Maria und Herwig durch Aufbrüche und Abenteuer, Seiten- und Abwege, Glücksmomente und Leidensstrecken geführt. Ab und an spürt man den Autor durch seine Figuren durchschimmern.

    Ein emotionales Buch, das mit Marias Weg zum Heiligen Berg Athos in Griechenland eine Reise ins Spirituelle verknüpft. Aufgrund der sprachlichen Kreativität und der trotz aller beschriebenen Krisen positiven Grundstimmung ein Lesevergnügen!

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    Ayelet Gundar-Goshen: Löwen wecken

    Kein & Aber 2016

    Ein Buch, das auf 14 Auflagen zurückschauen kann, und aktueller nicht sein könnte. Ein israelischer Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Der Eritreer liegt im Sterben. Wenn er den Unfall meldet, wird sein eigenes Leben auf den Kopf gestellt, dem Mann aber trotzdem nicht geholfen. Also fährt er weiter.

    Dumm nur, dass die Frau des Toten am nächsten Tag Bedingungen stellt für ihr Schweigen. Bedingungen, die sein altes Leben aus den Angeln heben. Ungewollt vermischt sich sein Schicksal mit den sonst unsichtbaren Schatten der illegalen Existenzen.

    Ein begeisterndes Buch, weil die Autorin vor nichts Angst hat. Keine Angst vor den Untiefen der menschlichen Feigheit, keine Scheu vor archaischen körperlichen Regungen, keine Illusionen über die Kluft zwischen Mensch und Mensch. Unweigerlich fragen wir uns selbst, wie wir handeln würden von Wendung zu Wendung – und davon gibt es viele! Ein Buch zur Selbsterkundung an der Hand einer unerschrockenen Autorin – grandios!

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    Xaver Bayer: Geschichten mit Marianne

    Jung und Jung 2020

    Eine Sammlung von 20 Geschichten, die es in sich haben!Es läuft immer nach dem gleichen Muster ab. Der Ich-Erzähler verwickelt sich bei harmlosen Spielchen oder geplanten kleinen Abenteuern in haarsträubende Horrortrips. Gleichmütig stellt er sich den irrwitzigen Herausforderungen seiner kafkaesken Erlebnisse. Einzige Gefährtin oder auch Initiatorin oder Begleiterin ist Marianne. Sie stellt hinter den Kulissen die Weichen oder stiftet zum Aufbruch an, immer aber ist sie gesichtslos und ziemlich dominant.

    Vorsicht: Das Abirren in alptraumhafte Szenen hat mich geradezu süchtig gemacht. Beim „Zirkus des Grauens“ z.B. kämpfte mein Sinn fürs Makabre mit der Lust am Gelächter (das mir zugleich im Halse stecken blieb). Für LiebhaberInnen skurriler Erfahrungen und zwiespältiger Gefühlszustände.

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  • Hörbuchtipps

    Das Grab im Moor

    Eine Schatzkarte ihres verstorbenen Großvaters führt eine junge Amerikanerin in die schottischen Highlands zu einem abgelegenen Ort mitten im Moor: Dort stößt sie auf ein vergrabenes, erstaunlich gut erhaltenes Motorrad, Baujahr 1944 – und auf eine männliche Leiche deutlich jüngeren Datums. DCI Karen Pirie, spezialisiert auf Cold Cases, ist eigentlich wegen eines anderen Falles in der Gegend, doch der Tote im Moor lässt ihr keine Ruhe.

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    Das lügenhafte Leben der Erwachsenen

    Neapel in den Neunzigerjahren: Die dreizehnjährige Giovanna ist Vorzeigetochter kultivierter Mittelschichtseltern und eine strebsame Schülerin. Doch plötzlich verändert sich alles, ihr Körper, ihre Stimmung, ihre schulische Leistung und ihr Verhältnis zu den Eltern. Zufällig stößt Giovanna auf ein großes Tabu: die Vergangenheit ihres Vaters, der aus einem ganz anderen Neapel stammt, einem leidenschaftlichen, vulgären Neapel.

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    Robinsons Tochter

    England 1904 – Polly, mit sechs Jahren schon eine Pflegefamilien-Veteranin, kommt zu ihren frommen Tanten in das gelbe Haus am Meer. Hier gibt es kaum Unterhaltung, aber es gibt Bücher, und lesend entwickelt sich Polly unbemerkt zu einer stillen, unbeugsamen Rebellin. Ein Buch liest sie immer wieder: »Robinson Crusoe« wird zu ihrem Kompass in jeder Lebenslage. Ihre eigene einsame Insel verlässt Polly Flint nie ganz.

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    Olga Tokarczuk: Gesang der Flusskrebse 

    Eine etwas verschrobene ältere Frau mit einem Faible für den Sternenhimmel und die Tiere, die sie umgeben, entwickelt kuriose Theorien über an Tieren vergangene Verbrechen und begibt sich dadurch in Gefahr. Das Buch ist ein Plädoyer für den sorgsamen Umgang mit der Natur. Die polnische Autorin hat mit diesem humanen Buch - einem Plädoyer für den sorgsamen Umgang mit der Natur - ... durchaus den Zeitgeist getroffen. Nachdem die Autorin 2019 den Literaturnobelpreis erhalten hat, erscheint erstmals ein Roman von ihr als Hörbuch

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  • Filmtipps

    Vergiftete Wahrheit

    Der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt Rob Bilott gerät in einen Zwiespalt, als ihn zwei Farmer auf merkwürdige Vorgänge  aufmerksam machen, wo eine große Zahl von Kühen auf rätselhafte Weise verendet ist. Die Farmer vermuten dahinter den Chemiekonzern DuPont, für den Bilott selbst als Anwalt arbeitet. Unterstützt von seinem Boss Tom Terp und seiner Frau Sarah stürzt sich Bilott aufopferungsvoll in eine langwierige Auseinandersetzung, die ihn seinen Ruf, seine Gesundheit, privates Glück und vielleicht sogar sein Leben kosten könnte...

    Regie: Todd Haynes, USA 2019, Drama/Thriller, 128 Minuten

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    Spider-Man - Far from home

    Peter Parker ist wieder da! In Spider-Man: Far From Home, dem ersten Marvel Film nach Avengers: Endgame, entschließt sich der freundliche Superheld aus der Nachbarschaft mit seinen besten Freunden Urlaub in Europa zu machen. Doch seinen Plan, die Superheldenkräfte für ein paar Wochen hinter sich zu lassen, muss Peter schnell aufgeben.

    Regie: Jon Watts, USA 2019, Action, 124 Minuten

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    Putin – Die Geschichte eines Spions

    Diese dreiteilige Serie zeigt Wladimir Putins Aufstieg vom Spion zum russischen Präsidenten. Zeitzeugen und Wegbegleiter berichten von machtpolitischen Intrigen, dem Chaos nach dem Ende der Sowjetunion, der Einflussnahme von Oligarchen in Folge der Massenprivatisierung und dem Umgang mit Konkurrenten, Kritikern und Oppositionellen. So entsteht die faszinierende Chronologie einer Weltmacht. Die erste Folge beleuchtet Wladimir Putins karge Kindheit sowie seine Jahre in Dresden und St. Petersburg. Die zweite Folge untersucht Putins Aufstieg zur Macht in Folge des Chaos der Jelzin-Ära, während die letzte Folge zeigt wie Wladimir Putin in Anschluss an Dmitri Medwedews Amtsperiode als Präsident Russlands erneut die Macht übernimmt.

    Regie: Nick Green, UK 2020, Dokumentation, 150 Minuten

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    Glück gehabt

    Was als komödiantische Dreiecksgeschichte beginnt, entwickelt sich für Artur bald zu einem Horror-Trip, der blutig enden wird. Der talentierte, aber ehrgeizlose Comic-Zeichner verdingt sich als Angestellter in einem Copy-Shop. Seine Frau Rita hat den Sprung zur jüngsten Schuldirektorin der Stadt geschafft. Die routinierte Ehe der beiden wird einem dramatischen Stress-Test ausgesetzt, als die ebenso geheimnisvolle wie reizvolle Alice Arturs Leben umkrempelt. Je mehr er sich in diese verhängnisvolle Affäre verstrickt, desto weniger weiß er, wer seine Geliebte eigentlich ist.

    Regie: Peter Payer, Österreich 2019, Komödie, 97 Minuten

    Trailer: https://vimeo.com/371583588

     

    Bring me home

    Ein emotional packender und schonungsloser Thriller über eine Mutter, die bis an ihre Grenzen geht, um ihr entführtes Kind zu finden. Seit sechs quälenden Jahren sucht die Ärztin Jung-yeon vergeblich nach ihrem vermissten Sohn, der auf einem Spielplatz spurlos verschwand. Völlig unerwartet erhält sie einen anonymen Hinweis, der sie zu einem kleinen Fischerdorf führt. Dort wird sie allerdings mit einer Mauer des Schweigens konfrontiert. Die zwielichtigen Bewohner des Dorfes verhalten sich abweisend und behaupten, den Jungen nie gesehen zu haben. Ganz auf sich allein gestellt, versucht die verzweifelte Mutter mit allen Mitteln, die Wahrheit über den Verbleib ihres Sohnes zu erfahren. Dabei gerät sie immer tiefer in einen gefährlichen Strudel aus Lüge, Korruption und Gewalt.

    Regie: Kim Seung-woo, Südkorea 2019, Thriller/Mystery, 104 Minuten

    Trailer: www.youtube.com/watch?v=Ai_UsYx1BKo

     

    Ein perfekter Planet

    Ein perfekter Planet ist eine Naturdokumentation der BBC. In 5 Episoden werden Naturgewalten wie das Wetter, Vulkane, Ozeane und die Sonne erforscht, die das Leben auf dem Planeten Erde unterstützen, antreiben und ermöglichen. Von den Braunbären auf Kamtschatka bis zu den Meerechsen der Galapagosinseln, von den Arrauschildkröten im Amazonas-Regenwald bis zu den Baktrischen Kamelen in der Wüste Gobi, die atemberaubende Serie verbindet den globalen Blick auf die Naturkräfte unseres Planeten mit einzigartigen Tiergeschichten in spektakulären Lebensräumen. Von der Weihnachtsinsel bis zu den Vulkanen Hawaiis, von der Unterwasserwelt der Bahamas bis zu den Extremen des arktischen Winters, "Ein perfekter Planet" nimmt das Publikum auf eine atemberaubende visuelle Reise mit, die die Art und Weise verändern wird, wie wir unsere Erde sehen.

    Regie: Alastair Fothergill | Huw Cordey, UK 2021, Dokumentation, 250 Minuten

    Trailer:www.youtube.com/watch?v=BcD3AQ2VChk

  • Bestseller

    Hier finden Sie eine Zusammenstellung aktueller Bestsellerlisten sowie die ORF Bestenliste:

    Bestseller Belletristik

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  • Neuerwerbungen
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