Strategisch-inhaltliche Ausrichtung der Stadtbücherei

Ausgangslage

Die Stadtbücherei befindet sich seit November 1991 in der früheren „Stiegervilla“ in der Schulgasse 44 und war ursprünglich für 25.000 Medien mit einer vorgesehenen Entlehnungszahl von 100.000 konzipiert. Zwischenzeitlich hat sich die Anzahl der Medien mehr als verdoppelt und die Anzahl der Entlehnungen gegenüber den angestrebten 100.000 vervielfacht.

Mit dem Ausbau der ehrenamtlich geführten Büchereien in den Stadtteilen wurde versucht, eine gewisse Entlastung des Hauptstandortes zu erreichen. Die Zahlen zeigen jedoch, dass damit keine Entlastung erreicht wurde. Ganz im Gegenteil: Es kam zu einer Frequenzerhöhung an allen Orten - eine aus kultur- und bildungspolitischer Sicht erfreuliche Entwicklung, die das Konzept mit einer Kerneinrichtung im Zentrum und Satelliten in den Stadtteilen bestätigt.

Geändert hat sich aber auch der Bibliotheksbetrieb in den letzten 20 Jahren. Zu der klassischen Aufgabe des beratenden Buchverleihs ist mit dem Büchereiverbund die Koordination und Unterstützung der ehrenamtlich geführten Büchereien und Schulbibliotheken dazu gekommen. Zur Förderung des Lesens, des literarischen Lebens und der Allgemeinbildung wurden Veranstaltungen für die unterschiedlichen Alters- und Interessensschichten eingeführt, die auf große Resonanz gestoßen sind und die vorhandene Infrastruktur an ihre Grenzen gebracht hat. Darüber hinaus ist durch die neuen Medienformen eine fast unüberschaubare Informationsfülle entstanden, zu deren Bewältigung neue Strategien erforderlich sind.

Diese Entwicklungen geben nun Anlass, eine neue strategisch-inhaltliche Ausrichtung der Stadtbücherei zu prüfen, um den heutigen und zukünftigen Herausforderungen in einem hohen Maße zu entsprechen.

Ziel

Ziel ist es, die Stadtbücherei zu einem offenen Wissens- und Ideenraum für Dornbirn zu gestalten. Sie soll möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern eine niederschwellige und einladende Plattform sein, um sich Wissen anzueignen und Kompetenzen in den unterschiedlichen Lebensbereichen zu entwickeln. Die Stadtbücherei sieht sich als kommunale Gemeinschaft, in der aktives bürgerliches Engagement, kooperatives Arbeiten und Lernen und Partizipation an gesellschaftlichen und kulturellen Prozessen möglich sein und gepflegt werden sollen. Sie stellt damit einen sinnstiftenden Begegnungsort abseits der passiven Konsumwelt der Spaß- und Unterhaltungsindustrie dar.

Aufgaben

Aus diesem Selbstverständnis ergeben sich folgende Aufgabenbereiche:

1. Die Stadtbücherei agiert als lokale Informationsbasis und eröffnet für unterschiedliche Generationen und Bildungsschichten einen Zugang zu aktueller Sach- und Fachinformation. Sie gibt Auskünfte zu schulischen, beruflichen und freizeitbezogenen Themen und bietet Unterstützung zur Alltagsgestaltung.

2. Als multimediales Zentrum, in dem die Informationsqualität und nicht die Medienform im Vordergrund steht, stehen die gängigen Medienformen zur Verfügung. Die Stadtbücherei sorgt für ein breites Angebot, das der Pluralität der Lebensformen entgegenkommt und den medialen Realitäten der Kunden entspricht.

3. Die Stadtbücherei bietet als kulturelles Zentrum spontane oder organisierte Begegnungs-, Austausch- und Informationsmöglichkeiten auf Basis des Medienangebotes. Darüber hinaus werden mit Veranstaltungen und Ausstellungen unterschiedliche thematische Schwerpunkte gesetzt.

4. Die Stadtbücherei ist Systempartner der Dornbirner Bildungs-, Weiterbildungs- und Kultureinrichtungen. Durch ein entsprechendes Medien- und Beratungsangebot sowie durch die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen unterstützt sie Lernende unterschiedlicher Bildungshintergründe beim formalen, non-formalen und informellen Lernen. Sie bietet eine Plattform für Experimente und Kreativität und fördert die Wissensgenerierung durch Kooperation und Austausch.

Lernort-Bibliothek

Die qualitative Wahrnehmung dieser Aufgabenbereiche unterstreicht den Anspruch der Stadtbücherei als generationenübergreifenden Lernort für die Dornbirner Bevölkerung. Neue und erweiterte Angebote und Dienstleistungen sollen zukünftig der stärkeren Profilierung als „Lernort-Bibliothek“ auf qualitativ hochwertiger Basis dienen. Die Nutzerinnen und Nutzer sollen zur Selbstaktivierung und Selbstgestaltung von Lernprozessen animiert werden, sodass partizipatives und kooperatives Lernen und Handeln entwickelt werden können.

Insbesondere sollen dabei folgende Schwerpunkte gesetzt werden:

1. Ein heute bereits wesentlicher und zukünftig noch bedeutsamerer Schwerpunkt der Bibliotheksarbeit liegt in der Lese- und Sprachförderung und der Stärkung der verbalen Kommunikationskompetenz sowohl für Gruppen als auch für den individuellen Bedarf.

2. Durch die sich immer rascher wandelnden Medienformen besteht ein erhöhter Beratungs- und Schulungsaufwand. Die Bibliothek ist dabei im verstärkten Maße bei der Vermittlung von digitalen Schlüsselkompetenzen zur Orientierung im Informationsdschungel gefordert.

3. Die Vielzahl der Medienformen und die sich dadurch permanent verändernde Medienlandschaft stellt die Nutzer vor komplexe Herausforderungen und spricht gleichzeitig eine größere Bandbreite an. Die Anleitung zur Informationsrecherche, -beschaffung und –bewertung im Alltag und für spezifische Weiterbildungserfordernisse bildet einen weiteren Schwerpunkt der zukünftigen Bibliotheksarbeit.

Daneben soll die „Lernort-Bibliothek“ verstärkt Möglichkeiten der Inspiration, Muse und Konzentration im klassischen Sinn bieten sowie kommunikative Austauschmöglichkeiten zulassen.